Johanniskraut

Die bis zu 60 cm hoch werdende Pflanze besitzt einen aufrechten, verzweigten Stängel mit durchsichtig drüsig punktierten Blättern. Die goldgelben Blüten sind mit schwarzroten Drüsenschuppen besetzt. Die Pflanze ist in ganz Europa verbreitet und wächst an Wegrändern, Dämmen, Feldrainen und in lichten Gebüschen.

 

Geschichtliches

Es ist die bekannteste typische Mitsommerpflanze. Die Pflanze nimmt ihre Kraft an den längsten Tagen in Jahr auf, um sie in den dunklen Tagen an den Menschen abzugeben. Das Johanniskraut wird schon in der Antike von Dioskurides, Plinius Secundus und Galen lobend erwähnt. Im Mittelalter war es eine der geschätztesten Pflanzen von Paracelsus, der es vor allem aufgrund seiner wundheilenden und blutreinigenden Fähigkeiten empfahl.

 

Heilwirkung

abschwellend, adstringierend, antibakteriell, beruhigend, blutbildend, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend, schleimlösend, schmerzstillend, tonisierend

 

Anwendungsgebiete

Depressionen, Wundheilung, Rheuma, Nervenerkrankung, Nervosität, Schlaflosigkeit, Angstzustände, Kopfschmerzen, Hexenschuss, Durchfall, Magen- / Darmentzündung, Bronchitis, Halsentzündung, Fieber, Appetitlosigkeit, Verdauungsschwäche, Hämorrhoiden, Gicht, Blasenentzündung, Bettnässen, Gebärmutterkrämpfe, Menstruationsbeschwerden, Endometritis, Wechseljahresbeschwerden, Zyklusunregelmässigkeiten, Epilepsie, Migräne, Hypochondrie, Neuralgien, Trigeminusneuralgie, Ischias, Rückenschmerzen, Muskelzerrungen, Blutergüsse, Quetschungen, Verrenkungen, Verstauchung, Krampfadern, Verbrennungen, Beulen, Geschwüre, Ekzem, Schrunden, Stichwunden, Trockene Haut, Narbenschmerzen

 

Verwendung

Verwendet wird das Kraut und / oder die Blüten. Für das Öl nimmt man die Blüten, für Tinktur und Tee das Kraut. Vor allem die Wirkung des Johanniskrauts gegen leichte und mittelschwere Depressionen ist heutzutage bekannt. Aber auch als Wundheilmittel wird das rote Johanniskraut-Öl gerne verwendet. Die zahlreichen anderen Heilwirkungen des Johanniskrautes sind etwas in Vergessenheit geraten.

 

Tee

Es wird selten Tee zubereitet, wegen des stark schwankenden Gehalts der Inhaltsstoffe.

Brühen Sie jede Tasse Tee frisch auf. Geben Sie eine Handvoll frisches Johanniskraut in die Tasse (in der Hochsaison: Juni, Juli, August), außerhalb der Hochsaison tun es auch getrocknete Johanniskraut – Blüten (ca. 2 Teelöffel). Gießen Sie mit frischem kochendem Wasser auf und lassen Sie sie etwas 10 Minuten bedeckt ziehen.

Man sollte bei dieser Pflanze keine Sofortwirkung erwarten, da erst nach längerer Behandlung der Erfolg eintritt.

 

Äußerliche Anwendung

In Form von Öl als Einreibung, zum Beispiel bei einem Hexenschuss. Es gibt auch die Möglichkeit von Waschungen, Bädern und Umschlägen.

 

Mystik

Außerdem galt das Johanniskraut als dämonenabwehrende Pflanze. Es wurde von Bauern in den Stall gehängt, um das Vieh vor Dämonen zu beschützen. In den Häusern der Menschen hängte man es ans Fensterkreuz, um böse Geister abzuwehren. Sein Name "Teufelsflucht" leitet sich von dieser Anwendung ab, denn sogar der Teufel soll angeblich vor dem Johanniskraut flüchten. Mit einem Kranz aus Johanniskraut, der auf das Dach geworfen wurde, wurde früher das Haus vor Blitzschlag geschützt. Zur Vertreibung eines Gewitters wurde etwas Johanniskraut auf den Herd gestreut oder im Ofen verbrannt. In diesem Zusammenhang gibt es auch eine Sage, die davon berichtet, wie bei einem schweren Gewitter eine Stimme aus dem Himmel tönte:

"Ist denn keine alte Fraue,
die kann pflücken Hartenaue,
dass sich das Gewitter stau?"

Mit "Hartenaue" ist das Johanniskraut gemeint. Dieser Name, wie auch "Hartheu" kommt daher, dass das Johanniskraut im Heu harte Stengel ergibt, weil es nicht so weich ist wie getrocknetes Gras oder andere Heupflanzen. Bei den mittsommerlichen Tänzen um das Johannisfeuer trugen die Mädchen früher Kränze aus Johanniskraut.