Burg Bentheim

Es ist ein frühmittelalterliche Höhenburg in Niedersachsen, Grafschaft Bad Bentheim, sie ist das Wahrzeichen der Stadt und wurde im 11. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt. Sie steht auf einem großen Bentheimer Sandsteinfelsen, auch Bentheimer Hohenrücken genannt. Die Burg wurde 1050 im zweiten Essen – Werdener – Heberegister erwähnt, die Festung wurde auf Reste einer germanischen Fliehburg errichtet. Als Eigentümer der Burg wurde 1020 Graf Otto von Northeim genannt. Herzog Lothar von Süpplinburg nahm 1116 die Burg, damals noch ein hölzerner Wehrbau, ein. Er brandschatzte und zerstörte sie vollkommen. Bei der Belagerung fand der letzte Northeimer Graf wahrscheinlich den Tod. Die Burg wurde schnell wieder aufgebaut und kam in den Besitz von Graf Otto von Salm – Rheineck. Dessen Frau, Gertrud von Northeim nutzte die Burg als Witwensitz. 1146 stritten sich Otto von Rheineck und der Bischof von Utrecht mit Waffengewalt um Besitzrechte in der Twente. Otto wurde bei Ostmarsum geschlagen. Dadurch war die Burg bis 1190 Lehen des Bistum Utrecht, Palas sowie eine errichtete Kapelle nahm der Bischof für sich in Anspruch. Ottos einziger Sohn, Otto II. von Salm – Rheineck, fiel 1148 bei einem Kampf in die Hände vom Pfalzgrafen Hermann von Stahleck. Er wurde in Oberwesel auf der Schönburg gefangen gehalten und im darauf folgenden Jahr erdrosselt. Ottos Tochter Sophie war mit dem niederländischen Grafen Dietrich VI. von Holland verheiratet. Burg und Herrschaft von Bentheim ging somit 1154 bzw. 1165 in den Besitz der Grafen von Holland. Deren Sohn, Otto der Jüngere, war der Begründer des Hauses Bentheim – Holland. Ende des 14. Jahrhunderts starben die Bentheimer Grafen aus, was das holländische Haus betrifft, das Geschlecht der Edelherren von Steinfurt, männlich, erlosch 1421. Das Erbe ging auf den Edlen Eberwin von Götterswick über. 1347 wurde er mit der Letzten Tochter Ludolfs, Hedwig von Bentheim – Holland, vermählt. Sie verstarb 1420. Somit erlangte er als Vormund der Tochter Lutgard die Herrschaft Steinfurt / Bentheim, mit Burg. Durch dieses Erbe wurde er der Stammvater der heutigen Linie Bentheim – Steinfurt. Nach der Heirat seiner Tochter, gab er ihren Gemahl ein angemessenes Entgelt um die Herrschaft Steinfurt zu erwerben. Häufig gab es um 1374 Fehden zwischen den Bistümern Utrecht und Münster, die Selbstständigkeit der Grafschaft missfiel ihnen. Ab 1421 nannten sich die Herren Grafen von Bentheim, 1486 wurde Graf Eberwin II. mit Bentheim belehnt, die Grafschaft war somit ein unabhängiges Territorium und wurde als Reichslehen anerkannt. 1489 wurde der Pulverturm gebaut, zwischen 1588 und 1593 führteGgraf Arnold II. die Lehre Johannes Calvins und Huldrych Zwinglis ein. Er hat auch weitere Besitzungen miteinander vereinigen können. Finanziell ausgeblutet wurde die Grafschaft durch den Dreißigjährigen Krieg, Erbstreitigkeiten und eine fremde Verwaltung. Um 1626 wurde die Burg mehrfach besetzt und geplündert. Danach folgten Missernten, 1636 kam die Pest, viele Menschen starben auch 1664 daran. Graf Friedrich Carl Philipp verpfändete 1752 die Grafschaft an das Kurfürstentum Hannover, damit erlosch die Eigenständigkeit des Landes. Die Burg Bentheim war teilweise zerstört, die Dörfer und Städte vernichtet. Sie hatte keinen militärischen Nutzen mehr und wurde bedeutungslos. Sie wurde zum Verwaltungszentrum, Gerichtsort und Gefängnis der Grafschaft. Von 1756 bis 1763 wurde die Burg von Franzosen und Engländern mehrmals belagert und eingenommen. 1795 diente sie als Lazarett im Krieg gegen die Franzosen, sie wurde in dem Jahr von französischen Truppen in Brand geschossen und eingenommen. An der Ostseite des Pulverturms stecken immer noch zwei Kanonenkugeln im Gemäuer, von der Schlacht. 1804 gelangte die Grafschaft wieder in den Besitz der Grafen von Bentheim, seit 1817 tragen sie den Titel Fürsten zu Bentheim und Steinfurt. Zu dem Zeitpunkt war die Burg zu großen Teilen verwüstet und unbewohnbar. Ab 1848 wurde die Burg wieder aufgebaut. Die Kronenburg wurde durch Fürst Alexis II. zur repräsentativen Residenz ausgebaut. Im Jahre 1914 wurden die Renovierungsarbeiten vorläufig eingestellt. Heute ist die Burg ein Museum mit eingerichtet von Oskar Prinz zu Bentheim und Steinfurt. Ein kleiner privater Teil wird heute noch von der Familie bewohnt, alle anderen Abschnitte können von Besucher erkundet werden. In der Kronenburg ist eine Ausstellung mit mittelalterlichen Artefakten. Die gesamte Anlage ist beschildert, am Wochenende oder nach Vereinbarung kann man an Führungen teilnehmen. Man betritt die Burg durch das untere Burgtor aus dem 13. Jahrhundert. Links und rechts im Sandstein kann man heidnische und christliche Symbole sehen. Heute ist dort ein Cafe. Links kommt man zum oberen Burgtor, der Prinzessinengarten (linksseitig) ist für Besucher gesperrt. Das Burgtor wurde im 17. Jahrhundert in einer Rustika – Quaderung gestaltet. Auf der rechten Seite des Tores befindet sich eine gotische Kapelle mit einem Bingelturm. Sie wird auch Katharinenkirche genannt. Es ist ein einschiffiges Langhaus mit davor liegendem Chor, 1406 erstmals erwähnt. 1544 fanden dort evangelische Gottesdienste statt. Unter Graf Ernst Wilhelm wurde sie eine Zeitlang an die Katholiken gegeben. Nachdem Bentheim eine katholische Kirche bekam ging das Gotteshaus wieder an die reformierte Gemeinde. Seit 1767 wurde sie nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt, die Ausstattung war nicht mehr da und der Boden verschmutzt. Der barocke Turmhelm wurde 1778 durch einen Orkan zerstört und wurde danach in der heutigen Form errichtet. Man kann die Kirche jetzt als Museum besichtigen. Sie wird geziert von einem schlichten Innenraum, eine große hölzerne Empore und eine kleine steinerne Kanzel. Aus dem 16. Jahrhundert stammt die von der Decke hängende hölzerne Madonnenstatue. Zahlreiche alte Grabsteine und Wappen aus Sandstein sind in der Kirche zu finden. Der gotische Palas, auch Kronenburg genannt, ist ein mehrstöckiges, repräsentatives Wohngebäude. Der Kern reicht bis zum 12. Jahrhundert zurück. Der Name Kronenburg stammt von den kronenähnlichen Schornsteinen. Die Kronenburg wurde von 1883 bis 1914 ausgebaut. Das Bauwerk wurde unter Fürst Alexis II. im Stil des Historismus eingerichtet. Es wurde überformt im Stil der englischen Neugotik. 1914 beendete der Krieg die Bauarbeiten und der nördliche Teil blieb vorläufig unvollendet. Heute sind die Räume ein Teil des Museums und können besichtigt werden. Zu sehen gibt es den Rittersaal, ein Arbeitszimmer, eine Bibliothek, ein Jagdzimmer und das ehemalige Schlafgemach einer Prinzessin im Rokoko Stil. Das Mobiliar ist von 1890 und auch König Ernst August von Hannover hat schon in dem Raum übernachtet. Von 1908 bis 1912 wurde der Rittersaal ausgebaut. An der linken Wand ist ein echter Pferdeharnisch auf einem hölzernen Pferdekopf. Links und rechts stehen alte Standarten aus dem Dreißigjährigen Krieg. In der Mitte ist ein Sandsteinpfeiler mit antiken Saufedern. Der große Teppich, auf dem Boden des Saals, ist mehr als 120 Jahre alt. Im Obergeschoss ist ein Ausstellungssaal mit historischen Dokumenten und Kostbarkeiten aus dem Besitz der Familie von Bentheim. Ein mächtiger, 30 Meter hoher Bergfried, auch Pulverturm genannt, stammt teilweise noch aus dem 11. Und 12. Jahrhundert. Im frühen 16. Jahrhundert erhielt er seine heutige Gestalt. Es gibt dort einen Raum, 12 Meter tief in den Felsen gehauen. Er diente als Verlies, Pulverkammer oder Vorratskammer. Von außen gibt es keinen Zugang, nur von Innen durch ein quadratisches Loch. Auf dem Mauergang, am Eingang des Turmes, steht ein bronzenes Geschütz von 1557, die Lafette ist in rot und gelb bemalt, die Farben Bentheims. Auf dem Dach des Turmes gab es ehemals vier hölzerne Ecktürme, die am 08.12. 1703 durch einen Sturm zerstört wurden. 1706 wurden sie ersetzt durch Türmchen aus Sandstein. Östlich des Bergfrieds sind zwei Wappen mit Inschrift zu sehen. Das Linke ist das Wappen von Bentheim, das Rechte von Mecklenburg, da Graf Everwin II. mit Ingeborg von Mecklenburg – Stargard vermählt wurde. Auch auf der Westseite ist ein Wappen mit Inschrift in großer Höhe. Es ist ein Schild mit den bentheimischen Schildnägeln. Der gesamte Turm weist Löcher auf, in den Steinquadern. Sie könnten aus einer der vielen Kriege stammen. Dem ist nicht so, Maurer und Steinmetze haben die Quader leicht angebohrt, um sie besser mit Zangen greifen zu können oder per Lastkran bewegen. Die Treppe neben dem Turm führt in den Innenhof, dabei kann man den Herrgott von Bentheim betrachten. Es ist ein frühromanisches Steinkruzifix aus dem 11. Jahrhundert. Der gekreuzigte Christus wird dargestellt in der Pose eines Siegers und Richters. Die Statue wurde aus Bentheimer Sandstein gefertigt, gefunden wurde sie 1828 in der Nähe des Hofes Schulte – Kalthoff in einem Acker unter der Erde. Erst wurde es in der Burg gelagert, seit 1868 steht es im Schlossinnenhof. Einschusslöcher sieht man heute noch von den Schießübungen im Jahre 1945. In dem Jahr wurde der „Herrgott“ schwer beschädigt, durch ein rückwärts fahrendes Militärfahrzeug. Sie zerbrach in zwei Teile, wurde 1951 restauriert und an heutiger Stelle aufgestellt. Der Batterieturm stammt aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts und wird auch Runder Turm genannt. Es ist ein Verteidigungsturm direkt auf dem Felsen, 45 Meter hoch. Seine Geschützkammern sind durch eine Galerie mit der Kronenburg verbunden. Sie stehen vor der Süd- sowie Westmauer der Burganlage. In den unteren Geschossen sind der Folterkeller und das Verlies. In den Außenwänden befinden sich Rauchabzüge für Kanonen, daher handelt es sich um Batteriestellungen für schwergewichtige und langohrige Feuerwaffen. Auch als Speicher dienten die Räume wie an dem Rest einer „Rossmühle“ zu sehen ist. Die Räume sind zu besichtigen. Das Erdgeschoss wurde im März 2002 in ein alchemistisches Laboratorium rekonstruiert. Im 17. Jahrhundert soll dort wirklich ein Laboratorium gewesen sein. Ein 23 Meter tiefer Brunnen ist an der Nordseite der Burgmauer. An der Südwestseite der Burg steht ein kleiner, hoher, einzelner Sandsteinfelsen, dem zwei Sagen umranken. Mündlich überliefert befand sich an der Stelle ein vorchristliches Heiligtum, der Heidentempel. Heute befindet sich dort der Rittersaal. Der Schlosspark besteht aus einer grünen, 12 Hektar großen Fläche. Er ist im Stil fürstlicher Gärten des 18. Jahrhunderts, mit See in der Parkanlage, Bäumen und Grasfläche angelegt. Die heutige Form entstand 1973 und 1974. Eine Wasserfontäne schießt aus einem aus Sandstein erbauten Becken, im Sommer. Er wird umgeben von Rosen- und Lavendelflächen, die von hecken eingezäunt sind. Im Sommer kann man dort unterschiedliche Tiere beobachten. Im Innenhof wurden im Jahr 2004 Rosen gepflanzt. 49 historische Sorten aus drei Jahrhunderten in fünf Beete.