Burg Vischering

 

Eine Wasserburg am nördlichen Stadtrand von Lüdinghausen. Im 16. Jahrhundert wurde sie fast vollständig neu erbaut, hat ihren wehrhaften Charakter dabei erhalten. Sie wurde als Trutzburg der Bischöfe von Münster im 13. Jahrhundert gegründet. Die Familie Droste zu Vischering hatte die Burg als Stammsitz, sie ist heute noch in deren Eigentum. Im Jahr 1521 brannte die Burg und wurde dabei weitgehend zerstört. Bis 1580 wurde sie wieder aufgebaut und erweitert im Stil der Renaissance. 1690 verlegten die Eigentümer ihren Wohnsitz nach Schloss Darfeld, Vischering blieb ungenutzt und von einem Rentmeister verwaltet. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie beschädigt und anschließend wieder hergestellt. Der Kreis Lüdinghausen pachtete die Burg, sie wurde als Kultur- und Bürgerzentrum genutzt. Dazu wurden von1970 bis Mitte 1980 umfangreiche Resteurierungsmaßnahmen durchgeführt. Die Anlage steht seit dem 8. Oktober 1986 unter Denkmalschutz. Unter anderem ist dort das Münsterlandmuseum. Jederzeit kann man alles von außen unentgeltlich besichtigen. Die Burg wurde im 13. Jahrhundert gegründet wegen Auseinandersetzungen zwischen dem Bischof von Münster und den Herren von Lüdinghausen. Die Herren von Lüdinghausen hatten ohne Einverständnis des Bischofs die Burg Wolfsberg errichtet. Der Bischof ließ daraufhin kurz vor 1271 die Burg Vischering erbauen, in einem Steverarm, auf einer etwa 80 Meter langen Sandinsel. Laut Urkunde vom 25. Juli 1271 belehnte er den Ministerialen Albert III. von Wulfheim mit der Anlage. Der Bischof sicherte sich nicht nur das Öffnungsrecht für die Burg, sie war auch als bischöfliche Landesburg geplant. Sie wurde dahin aber nie ausgebaut. Zur Verteidigung der Anlage waren drei Burgmannen mit auf der Burg, dazu waren noch ein Kaplan, ein Pförtner und ein Wächter mit dort. Ab 1455 nannte sich die Familie Droste zu Vischering, um sich vom anderen Familienzweig namentlich zu unterscheiden. In dem Jahr teilten die beiden Brüder den Familiensitz untereinander auf. Im teilungsvertrag ist vom „Steinhaus Vischering“ und dem „neuen Steinhaus mit Bergfried“ die Rede. Von dem Bergfried sind heute keine oberirdischen Spuren mehr vorhanden, er stand eventuell im östlichen Bereich des Innenhofs. Die damalige Anlage hatte wahrscheinlich nur Schießscharten statt Fenster. Die Vorburg wurde spätestens Mitte des 14. Jahrhunderts angelegt. Durch Verpfändungen und Verkäufe in den Jahren 1450 bis 1457 gingen fast alle Besitzrechte an den Erbmarschall des Fürstbistums Münster, Gerhard II. von Morien auf Nordkirchen. Seine Tochter Richmond heiratete 1473 Heidenreich Droste von Vischering. Die Burg ging somit zurück in Drosten Hand. Ein Feuer zerstörte 1521 die Kernburg der heutige Westflügel, im Stil der Renaissance, wurde von Johann von Droste zu Vischering erbaut. Er wurde ein Geschoss höher als vorher. Auf den alten Fundamenten wurde neu aufgebaut unter Einbezug der erhaltenen Bausubstanz. Dies dauerte mehrere Jahrzehnte. Der Rohbau wurde 1552 vollendet, nach dem Tod von Johann. Fertig gestellt wurde es von seinem Sohn Heidenreich mit dem neuen Südflügel, sein Wappen mit dem seiner Frau ist an der Hoffassade zu finden. In der zuvor geschlossenen Ringmauer wurden Fenster gebrochen. Bis zum Jahr 1570 fand der Innenausbau statt, dies zeigt eine Inschrift im Kamin im Südflügel. Der Bau des Treppenturms wurde 1580 vollendet. Durch den sogenannten Zwischenbau wurden West- und Südflügel verbunden. Im Jahre 1617 wurde an der Außenseite Richtung Gräfte angebaut. Kurz vor dem 3. / 4. Februar 1633 wurde die Burg von hessischen Soldaten besetzt. Bis Oktober 1634 blieb die Anlage in hessischer Hand. Christoph Heidenreich Droste zu Vischering, Burgherr, hatte die Burg nicht nur als alleinige Familienresidenz. Nach dem Tod seines Onkels Goswin 1690 bekam er das Schloss Darfeld und bestimmte dieses als sein Wohnsitz. Burg Vischering wurde von einem Rentmeister der Familie verwaltet. Während die Drostes fort waren gab es keine großen baulichen Veränderungen. 1720 wurde von Christoph Heidenreich der Vorburgbereich neu gestaltet. Gleichzeitig wurde dem bestehenden Bauhaus aus dem 16. Jahrhundert ein zweiflügeliges Wirtschaftsgebäude angefügt. Die Familie wurde am 21. Januar 1670 in den Freiherrenstand erhoben, 1826 wurde Adolf Heinrich Droste zu Vischering in den Grafenstand erhoben, vom preußischen König Friedrich Wilhelm III.. Daraufhin wurden auf dem Treppenturm eine offene Krone aus Holz und eine Wetterfahne auf der Haube ergänzt. Maximilian Graf Droste zu Vischering und seine Frau zogen am 30. Oktober 1898 wieder auf die Burg. Um die Burg wohnlich zu machen wurde Innen umfangreich renoviert. Aus jener Zeit stammen vermutlich historische Holzvertäfelungen der Wände im ersten Obergeschoss. 1911 und 1912 waren die Sommer sehr trocken, dadurch sank der Wasserspiegel des Hausteichs. Die Pfahlrostgründung der Burg lag zum Teil frei und die Pfähle vermoderten. Dadurch verloren sie ihre Tragfähigkeit, die Burganlage drohte auseinander zu brechen, in der Fassade entstanden bis zu 15 cm breite Risse. Eine statische Sicherung wurde von 1927 bis 1929 durchgeführt. Im November 1944 detonierte eine Luftmine am Wallkopf der Burg. Die Druckwelle erzeugte zahlreiche Schäden an den umstehenden bauten. Die Getreide Mühle wurde vollständig zerstört, der Mühlstein landete auf dem Vorwerk der Kapelle. Die Mühleninsel verlor ab dem Zeitpunkt ihre Bedeutung. Die Brücke zur Vorburg und das Zugrückentor zur Hauptburg wurden auch beschädigt. Der Erker am Torhaus der Kernburg stürzte ab. Durch die Druckwelle kamen im Rittersaal unter dem Deckenputz an den Deckenbalken farbige Ornamente zum Vorschein. Von 1948 bis 1952 wurden die Schäden weitgehend behoben. 1951 erfolgte die Reparatur des Zugbrückentorbogens, der Torhauserker wurde 1952/53 wiederhergestellt. Weitere Instandsetzungsarbeiten, folgten 1962/63. Ab 1970 pachtete der Landkreis Lüdinghausen die Anlage. Sie wurde ab da als Kulturzentrum genutzt, ein Museum sollte eingerichtet werden. Daraufhin erfolgten zwischen 1970 und 1972 umfangreiche Instandsetzungsarbeiten, zum Teil auch Rückbauten um den historischen Zustand wieder herzustellen. Das Gräftensystem wurde zu seinem frühneuzeitlichen Zustand zurück gebaut. Bei Arbeiten im Inneren der Kernburg zeigten sich seltene Seccomalereien aus dem 16. Jahrhundert sowie ein vermauerter, unter Putz verborgener Kamin im Rittersaal. Im Innenhof der Hauptburg fanden Ausschachtungsarbeiten statt dabei kamen nach 1,45 Meter Fundamentreste des ehemaligen Bergfrieds zutage. Februar 1972 und Juni 1973 werden die Pfahlroste archäologisch untersucht. Sie wurden auf die Zeit um 1270 datiert. Weitere Bodenfunde sind noch älter und zeigen, dass schon vor 1271 steinerne Gebäude auf dem Burgplatz standen. 1972 war die Anlage soweit hergestellt, dass der Landkreis Coesfeld, in jenem Jahr das Münsterlandmuseum eröffnet. Bis 1975 wurde auch der Treppenturm restauriert. Ab 1979 wurde der Vorburgbereich umgebaut und restauriert. Das Bauhaus und die Räucherkammer aus dem 19. Jahrhundert sollten auch vom Museum genutzt werden. Die übrigen Wirtschaftsgebäude werden zur Gastronomie und für Veranstaltungen genutzt. Der Dachstuhl des Bauhauses wurde nach alten Vorbildern vollständig erneuert. Im 19. Und 20. Jahrhundert diente das Gebäude als Schweinestall. Die Ständerkonstruktion wurde entfernt, zu Anschauungszwecken wurden diese an der Westseite rekonstruiert. 1982 wurde die Räucherkammer wieder hergestellt. 1983 wurde die Remise restauriert. Als das Bauhaus umgebaut wurde traten Fundamentreste und Pfähle zutage. Eine Untersuchung ergab, dass dort zwei Vorgängerbauten standen. Eins um das Jahr 1315 und das zweite um 1360. 1984 konnte die Ausstellung in der Vorburg eröffnet werden. Die Burganlage ist heute ein Kulturzentrum. Im Rittersaal finden Konzerte und Vorträge statt. Das Obergeschoss wird für kunst- und kulturgeschichtliche Wechselausstellungen genutzt. Gemeinsam mit dem Münsterlandmuseum kommen rund 80 000 Besucher pro Jahr.