Burgruine Polle

Erfahrungsbericht

 

Um die Burgruine in Polle besichtigen zu könne, muss man schon früh dort sein, da es direkt an der Burg kaum Parkplätze gibt. Unten an der Burg ist eine Touristeninformation, in dieser ist das Aschenputtel Zimmer, was sehr sehenswert ist, da es original getreu nachgebaut wurde und zur Geschichte der Burg gehört. Um zur Ruine zu kommen gilt es erst einige Stufen zu erklimmen. Für Menschen mit Behinderung gibt es eine Schräge, etwas steil, aber auch eine Möglichkeit zum hinauf laufen. Auf dem begrünten Vorplatz gibt es den ehemaligen Schandpfahl zu sehen und Hinweisschilder, was die ehemalige Burg mit Aschenputtel zu tun hat. Von diesem Platz aus kann man sehr schön auf die Weser schauen, unter der Burg liegt auch der Anleger für die Fähre. Um direkt hoch zur Ruine zu kommen, gibt es noch einmal Stufen. Oben an der Kasse kann man Bescheid geben, dass man Menschen mit Behinderung dabei hat, diese werden dann durch ein gesondertes Tor eingelassen. Nachdem man sein Obolus gezahlt hat, kann man sich die Ruine genau betrachten. Von dort oben konnte man super auf die Stadt Polle schauen und quer über das Weserbergland. Die Ruine selbst ist auch sehr sehenswert. Wieder hergestellt wurde die Toilette, wenn man das so zu der Zeit nennen konnte. Ein Burgturm ist auch noch vorhanden, diesen kann man auch besteigen. Wobei ich den Preis für die Besichtigung nicht unbedingt angemessen finde, da sich die weiteren Ausgrabungen und Restaurierungen nicht über diese Kosten finanzieren. 

Geschichte

 

Die Driburger Chronik lässt vermuten, dass die Eversteiner von den Grafen Werl / Arnsberg abstammen. Nach der Übersiedlung auf den Everstein, haben sie sich nach diesem benannt, den Grafentitel haben sie sich mitgebracht. Die Eversteiner wurden im Weserraum erstmals 1122 bekundet. Laut der Chronik der Slaven vom Pfarrer Helmold zu Bosau diese über einen Slawen Vicelin. Dieser kam aus Hameln, nach dem Tod seiner Eltern kam er auf der Burg Everstein unter. Albrecht I. war der erste Eversteiner mit Grafentitel. Bekommen haben sie ihn eventuell durch die Belehnung der Grafschaft Donnersberg bei Warburg. Die Familie teilte sich im 13. Jahrhundert auf in verschiedene Linien. Im 14. Jahrhundert starb die Linie Ohsen und Holzminden aus, das gleiche geschah mit dem Dänischen Zweig 1453 und der Poller Anfang des 15. Jahrhunderts. Graf Albrecht I. spendete 1122 die Johanniskirche in Plauen. Eine Linie kam nach Naugard in Pommern, erlosch dort 1663. Eine Doppelburg auf dem Großen und kleinen Everstein war die Stammburg. Sie standen zwischen Lobach und Negenborn. Nach langer Belagerung1284 wurde sie an die welfischen Herzöge verkauft. Vermutlich wurde Burg Polle im 12. Jahrhundert erbaut, die Eversteiner residierten nach dem Verkauf dort. 1825 wurde die Burg erstmals urkundlich erwähnt, als dem Kloster Loccum Güter vom Grafen Otto übertragen wurden. Die Eversteiner hatten kein geschlossenesTerritorium mit festen Grenzen. Zwischen den vier Diözesen Mainz, Paderborn, Hildesheim und Minden hatte die Familie ihren umfangreichen Eigenbesitz; zwischen Höxter, Holzminden und Hameln ausgebaut. Es gab weitere Güter in der Umgebung. Sie sind verwandt mit den Eversteinern aus Plauen, deren Besitz ging später als Lehen zu ihnen. Die Familie wurde zum Teil als kleine Provinz – Fürsten angesehen, dies ist laut Urkunden nicht richtig. Früh haben sie eine gewisse Außenpolitik betrieben. Es gab gute Beziehungen, untereinander wurde geheiratet. Zwischen spannungsfreien Perioden gab es auch mal größere Querelen, teilweise offene Feindschaften und kriegerische Auseinandersetzungen. Die nächst höhere Ebene waren die Bischöfe der Gegend, auch genannt als Zeugen in Kaiserurkunden. Sie genossen teilweise mehr Ansehen als andere. Graf Otto von Everstein war 1290 – 1293 Lehnsmann des Erzbischofs von Köln, er hatte das Amt des Marschalls von Westfalen inne. Die politischen Geschäfte wurden meist in den Sommermonaten abgewickelt. Dadurch mussten weite Strecken zurückgelegt werden. Anfang des 15. Jahrhunderts begann das Ende der Eversteiner, es gab keinen männlichen Erben. Es wurde ein Erbverbrüderungsvertrag geschlossen mit den Edelherren zur Lippe. Dies gefiel den Braunschweigern nicht und sie fielen unter einem Vorwand in deren Lande ein. Es kam zur Schlacht bei Hameln, wo die Braunschweiger geschlagen wurden. Herzog Heinrich geriet in Gefangenschaft auf der Falkenburg bei Detmold. Sein Bruder zahlte ein hohes Lösegeld für seine Freiheit. Der Herzog wandte sich für die Schmach an den Kaiser. Der Kaiser belegte die Eversteiner und Lipper mit der Acht, später mit der Oberacht. Vom Papst wurden sie verbannt. Die Welfen rückten ins Land, Burg Polle wurde erobert, das Land schwer verwüstet. 1408 willigte Graf Hermann von Everstein in einen Erbvertrag ein. Dies beendete den Erbfolgekrieg. Seine vierjährige Tochter wurde mit Otto von Lüneburg verheiratet und als Brautschatz brachte sie die Eversteiner Lande mit. 1425 wurde die Ehe geschlossen, sie blieb kinderlos. Graf Hermann starb 1413, seine Frau Ermgard lebte danach auf Schloss Aerzen. Elisabeth starb 1468 auf ihrem Witwensitz Gifhorn. Die Grafschaft wird dann von herzoglichen Amtsmännern verwaltet, diese bauten die Burg aus, ein Amtshaus entstand um 1600, von dem ist das Tor erhalten. Tillys Truppen eroberten 1623 die Burg, zerstörten die Unterburg und das Amtshaus. Die Oberburg wird 1641 völlig zerstört, durch schwedischen Beschuss. Sie wird nicht wieder aufgebaut, aber die Unterburg. Das neue Amtshaus entsteht 1656 mit Verwendung des Renaissanceportal und der Wappen. Weitere Gebäude entstanden 1743 bis 1747. Die Oberburg verfällt nach dem 30jährigen Krieg, Renovierungen finden ab 1890 statt zur Instandhaltung. Ab 1930 finden Burgfestspiele statt, dadurch wird die Burgruine weiter gesichert und saniert. 1937 finden erste Grabungen statt, es wird ein breiter und tiefer Schacht gefunden, den Burgbrunnen. Am 7. / 8. April 1845 fanden heftige Kämpfe um Polle statt, die Unterburg wurde zerstört, Ausnahme ist noch das vorhandene Amtsschreiberhaus. 1984 bis 1988 werden Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Dabei wird an der Ostseite ein unbekanntes Gewölbebereich freigelegt. Ein historischer Aufgang zur Burganlage. Seit 2007 finden archäologische Grabungen statt. Diverse Grabungsschnitte an der Westmauer wurden angelegt. Dort befinden sich der Küchenbereich samt Ausguss – Stein, sowie mittelalterliche Mauerreste aus der Entstehungszeit der Kernburg. Mehrere Balkenlagen und Treppenstufen wurden freigelegt. Zwei Feuerbereiche konnten festgestellt werden durch rötlich gebranntes Mauerwerk. Die geborgenen Fundstücke geben Auskunft über das Leben auf der Burganlage. Am Brunnen, im östlichen Burgbereich vor der vermuteten Toranlage und in der Nähe des Palas an der Südmauer wurden weitere Grabungsschnitte angelegt. Ergraben wurden Grundmauern und eine unbekannte Öffnung in der Südmauer.

Einige Fotos meiner Besichtigung, auf der Burgruine Polle: