Festung Königstein

06.05.2013

 

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen dieser genialen Gebäude.

Unten gibt es ein Parkhaus, wo wir unser Auto abgestellt haben, bis vor der Festung fährt eine kleine Pendelbahn. Von dort ging es dann zur Kasse, die Preise sind dort noch sehr günstig. Es gibt drei Möglichkeiten, um auf die Festung zu kommen. Ein kleiner Panoramaaufzug (wenn man keine Höhenangst hat und Schwindelfrei ist), man läuft den Weg für Fußgänger hoch (sehr steil, man braucht einiges an Luft) oder den Weg, den wir gewählt haben, den Behinderten- bzw. Lieferantenaufzug. Sehr groß, in eine der Mauern gebaut. Oben angekommen hat man eine super Aussicht über die Ländereien und kleinen Städte. Leider war es bei uns leicht Nebelverhangen, bei Sonnenschein kann man sicher viel weiter gucken. Wenn man direkt nach unten schaute, wurde es mir zumindest ganz schwindelig. Wir sind links runter gelaufen und kamen an einem Bistro vorbei und einer Mittelalterbäckerei. Weiter ging es zum alten Zeughaus, dort drinnen gab es Kanonen und die dazugehörigen Rohre, wie Kugeln zu sehen. An den Wänden hingen auch Geschichten dazu. Weiter ging es am Zeughaus entlang, dort sah man ein paar Ruinen und etwas weiter entfernt die ehemaligen Pferdeställe. An der Festungsmauer entlang konnte man die Berge und Felsen der Sächsischen Schweiz. In der Festung haben wir auch die kleine Kirche besichtigt, sind rund ums Provianthaus (ehem. Magdalenenburg) gelaufen. Dort ging es dann zum Haus mit einer großen Ausstellung, dort war auch eine kleine Information, welche Reisen durch die Sächsische Schweiz anboten. Gleich in der Nähe ist ein altes Restaurant, dort drinnen sah es richtig urig aus. Nebenan ist dann eine Information mit Bücher über die Festung und kleinen Souvenirs. Läuft man von dort aus wieder zu dem Bistro, sieht man große Wiesen mit schönen Blumen. Die Männer sind noch an anderen Stellen rumgelaufen und haben davon berichtet, dass man von einer Seite der Festung direkt auf die Elbe schauen kann, dort sieht man auch viele Schiffe. Zu viert sind wir dann wieder mit dem Aufzug runter und dann mit der Pendelbahn zum Parkhaus.

Infos zur Festung

Gebäude (alphabetische Reihenfolge)

 

Alte Kaserne

 

Sie ist 113 m lang und die älteste noch erhaltene Deutsche Kaserne, erbaut 1589 / 90. Es gibt 64 gleich große Räume, in doppelter Reihe angeordnet, wo die ständig stationierten Soldaten mit ihren Familien lebten. Pro Familie gab es zwei Räume, einer war die Küche, der andere Wohn- / Schlafraum. Es gab auch ein Schulzimmer für den Unterricht der Kinder von den Soldaten. Der ursprünglich eingeschossige Bau wurde längs halbseitig aufgestockt.

 

Altes Zeughaus

 

Dort lagerten Waffen und Kriegsgerät aller Art, Pulver und Munition lagerten woanders. Das Alte Zeughaus entstand 1594, als eines der ersten Festungsgebäude besitzt es an den Giebelseiten typische Rustikaportale. Der Saal im Erdgeschoss ähnelt dem Dresdener Zeughaus mit seinen toskanischen Säulen. Besonderen Gästen wurde schon im 17. Und 18. Jahrhundert hier historische Waffen und Trophäen gezeigt. Das Obergeschoss wird durch ein seitlich angebautes Treppenhaus erreicht, es wurde früher als Lagerraum genutzt. 1873 wurden dort 15 Arrestzimmer eingerichtet, für Zivilgefangene, August Bebel war einer der ersten Insassen. Russische und französische Offiziere wurden in beiden Weltkriegen, im Alten Zeughaus, als Kriegsgefangene untergebracht.

 

Augustusplatz

 

Er wurde auch Königsplatz genannt und erinnerte an den ersten sächsischen König Friedrich August I., ernannt durch Napoleon im Jahre 1806. Der König geriet in preußische und österreichische Gefangenschaft während der napoleonischen Kriege bis 1813. Als er zurück kam wurden im Juni 1815 auf dem ehemaligen Paradeplatz ihm zu Ehren 79 Linden gepflanzt und in Augustusplatz umbenannt. 1827 widmete man ihm eine Büste, die 1945 verloren ging. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde eine Grasnarbe angelegt als Schutz vor Erosion. Für den Kriegsfall dienten sie als Reserve um durch Beschuss beschädigte Batteriewälle auszubessern.

 

Batterien und Munitionsladesysteme

 

Im späten 19. Jahrhundert entstanden die Batteriewälle zur Rundumverteidigung, als die Brustwehr der Festungsartillerie nicht mehr genug Schutz bot. Hinter den Erdwällen wurde die Festungsartillerie postiert und die Geschütze zusammen bildeten eine Batterie. Drei der Batterien erhielten je ein Munitionsladesystem, somit beschussfeste Räume im Boden zur Vorbereitung der Munition. Zwei Ladesysteme sind noch erhalten, entstanden sind sie zwischen 1887 und 1891, bestehend aus der Hohltraverse und drei bis vier tiefer gelegenen Räumen, durch einen Gang miteinander verbunden. Verbindungen sind das Verbrauchspulvermagazin, das Verbrauchsgeschossmagazin und die Geschossladestelle. Beim Ladesystem der Batterie 8 noch das Feuerwerklaboratorium. Mit zahlreichen Belüftungsöffnungen ist das Verbrauchspulvermagazin versehen, welches den Tagesbedarf an Pulver aufnimmt. In der Geschossladestelle, mit Holzfußboden ausgelegt, wurden Granaten und Kartuschen mit Pulver gefüllt und zum Verbrauchsmagazin durchgereicht. Dort wurden sie mit den Zündern gelagert. Mit einem Munitionsaufzug ging der Transport nach oben. Die Systeme sind wie die Kriegskasernen mit Meter dicker beschussfester Decke versehen. Licht kommt von Lampen in Sicherheitsbeleuchtungsnischen.

 

Brunnenhaus

 

Der Brunnen ist 152,5 m tief, somit einer der tiefsten Brunnen Deutschlands. Auf Befehl des sächsischen Kurfürsten August wurde er vor Beginn des Festungsbaus abgeteuft. Jahrelang drangen Bergleute mit Bergeisen und Schlegel in die Tiefe vor, entsorgten das Gestein, bis der Zufluss stark genug war um die Festungsbesatzung zu versorgen. Gefördert wurde das Wasser erst mit Pferdegöpel, dann mit einem riesigen Tretrad, bedient von Soldaten, Gefangene oder Arbeiter. 1871 wurde eine Wanddampfmaschine eingebaut, 1911 übernahm ein Elektromotor die Wasserförderung. Der Brunnen blieb bis 1967 in Betrieb, heute gibt es noch Schauvorführungen. Das Gebäude diente dem Schutz des Brunnens, es hat ein 4 m dickes steinernes Gewölbe.

 

Eingangsbereich

 

Mehr als 400 Jahre kann man an der Westseite auf die Festung kommen. Neu sind die beiden modernen Aufzüge. Im Kriegsfall war dieser Bereich besonders sensibel, daher gibt es dort viele Verteidigungseinrichtungen. Das U – förmige Torhaus entstand 1589 / 90 über eine von Menschenhand erweiterte Felsspalte. Es hat sowohl Wohn- und Verteidigungszweck. Am nördlichen Flügel ist die Streichwehr, der Name des Gebäudes verrät seine Nutzung: bestreichen = beschießen. Im 19. Jahrhundert wurden die Schießscharten im Kellergeschoss vermauert. Im Obergeschoss wohnten der Festungsprediger und der Proviantverwalter. Ganz links sind dann die Georgenburg und die Georgenbastion aus dem 17. Jahrhundert. Auch sie diente der Verteidigung mit Kanonen, diese wurden vom Plateau aus durch ein Tor über eine Rampe herein transportiert. August der Starke ließ unter der Georgenbastion ein Ravelin, welches auch als Wachgebäude genutzt wurde, und eine Grabenschere, als barockes Medusentor, errichten, als zusätzlichen Schutz.

 

Entlang der Außenmauer

 

Bei einem Spaziergang an der Außenmauer entlang sieht man zahlreiche interessante bauliche Details. Darunter das Blitzeichenplateau. 300 Jahre stand dort eine Eiche, in der immer wieder Blitze einschlugen, 1925 wurde eine Besuchergruppe vom Blitz getroffen (3 Tote, 28 Verletzte), laut einer Inschrift in der Brustwehr. Der Lilienstein liegt gegenüber, auch die Ebenheit, wo 1756 die sächsische Armee von der preußischen gefangen genommen wurde. Napoleon hat 1830 dort ein befestigtes Heerlager errichtet. Wichtige Verkehrswege waren die Elbe und die Bahnlinie. Die beste Aussicht hat man von der Königsnase, darunter die Stadt Königstein, in der Ferne sind die Kletterfelsen der Sächsischen Schweiz. Im Dreißigjährigen Krieg wurde von dort ein Schuss auf die Schweden abgegeben, daraufhin plünderten diese die Stadt und steckten sie in Brand. Der 18 jährige Schornsteinfegergeselle Sebastian Abratzky kletterte 1840 an der Felsspalte hinauf zum Plateau. Deshalb gibt es unmittelbarer Nähe der Nase den Abratzky Kamin. Es gibt drei Wachtürme an der Südseite, sie schützen die wachhabenden Soldaten nicht nur bei Wind und Wetter, sondern bieten auch eine gute Sicht, so dass Feinde vom Turm aus beschossen werden konnten.

 

Friedrichsburg

 

Der Grundstein zur Festung wurde im Mai 1589 von Kurfürst Christian I. von Sachsen gelegt. Daher wurde der achteckige Pavillon anfangs "Christiansburg" genannt. Im Erdgeschoss standen Geschütze zur Verteidigung, das Obergeschoss diente kleineren höfischen Festlichkeiten. August der Starke verbrachte im Februar 1728 dort Zeit mit Gästen aus Preußen (König Friedrich Wilhelm I. und dessen Sohn Friedrich II.). Als Erinnerung daran wurde die Burg von da an „Friedrichsburg“ genannt. 1731 wurde der schlichte Renaissancebau äußerlich umgestaltet in barocker Art und Weise. An Stelle des Wendelsteins Richtung Obergeschoss wurde eine doppelläufige Freitreppe eingebaut, darunter haben sich die Rustikaportale aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Dem Obergeschoss wurde mit Stuck, Wandmalerei, Leuchten und Spiegel ein festliches, barockes aussehen verliehen. Die Kannonen aus dem Erdgeschoss verschwanden und machten einer herrschaftlichen Küche mit „Maschinentafel“ platz, diese konnte fertig gedeckt durch die geöffnete Decke nach oben gefahren werden. Leider wurde die Tafel durch Blitzeinschlag 1744 zerstört und im 18. Jahrhundert nicht wieder hergestellt. Seit 2000 können Gäste wieder an einer „Maschinentafel“ fürstlich speisen. 

 

Garnisonskirche

 

Das älteste Gebäude auf dem Königstein, im 13. Jahrhundert als Kapelle erbaut, für die böhmische Königsburg. Von daher stammen das Rundbogenfenster und die Malerei im Chor. Die figürlichen Szenen sind nur bruchstückhaft erhalten. Das Türbogenfeld, außen an der Südwand, stammt aus derselben Zeit, es war der eigentliche Eingang in die Kapelle. 1516 bis 1524 lebten auf dem Königstein Cölestinermönche und nutzten die Festung als Kloster und die Kapelle als Klosterkirche, danach verfiel sie. 1670 begannen Baumaßnahmen dabei entstanden die Maßwerkfenster und die Kasettendecke. Am 16.10.1676 wurde sie in Anwesenheit des sächsischen Hofes zur Sankt – Georgskapelle geweiht. Der mit drei Glocken versehene Turm wurde fünf Jahre später angebaut. Die erste Orgel war ein Geschenk des Kommandanten von Kysw 1721. Die Kirche diente von 1945 – 1990 als Kinosaal, Turnhalle und Baustofflager. Pfingsten 2000 wurde die Kirche nach umfassender Restaurierung und Neuausstattung wieder in den Dienst genommen für Gottesdienste, Trauungen und Konzerte.

 

Georgenburg

 

Die jetzige Georgenburg geht auf eine mittlelalterliche Burganlage (Kaiserburg) zurück. Hier wurden Schifffahrtsprivilegien für böhmische Kaufleute von Kaiser Karl IV. unterzeichnet. Es wurde im 16. Jahrhundert im Stil der Spätgotik umgebaut und vom sächsischen Herzog Georg dem Bärtigen genutzt. Von daher stammen auch die spätgotischen Vorhangbogenfenster. Hundert Jahre später wurde einiges in Form der Renaissance gebracht unter dem Bauherrn des Kurfürsten Johann Georg I. Danach wurde das Gebäude Johann – Georgenburg genannt. Es wurde als Jagdschlösschen genutzt, daher der Arkadengang an der Nordseite. Ein weiterer Umbau im 18. Jahrhundert machte sie zum Gefängnis mit Namhafte Gefangene unter August dem Starken, wie: Johann Friedrich Böttger, Wolf Dietrich von Beichlingen, Johann Reinhold von Patkul, die Unterhändler des Altranstädter Friedens und Franz Conrad Romanus. Im 19. Jahrhundert saßen dort Rechtsanwalt Moßdorf, Nudelfabrikant Bartholdy, führende Teilnehmer am Dresdner Maiaufstand (1849), Musikdirektor Röckel, Michail Bakunin, Alexander Clarus Heinze und otto Leonhard Heubner ein.

 

Hauptwache

 

Es entstand 1883 und lässt seine frühere Funktion schon von außen erkennen. Nach vorne offen mit Säulen dient es zum Abstellen der Waffen und dem Posten als Wetterschutz. Dahinter sind Räume für die Wachen und Arrestzellen für straffällig gewordene Soldaten.

 

Kasematten

 

Es sind beschussfeste, gewölbte Räume in der Festung. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal zwischen Burg und Festung. Mit Schießscharten dienten sie der Verteidigung. Ohne waren sie mit Kamine ausgestattet, wurden als Kasernen genutzt oder zur Unterbringung anderer oder zur Unterbringung anderer wichtigen Kriegsfunktionen genutzt. Die ersten Kasematten entstanden 1600 auf der Festung. Die an der Süd – West – Front entstandenen bis zum Kommandantenhaus reichenden Kasematten wurden 1767 bis 1832 erbaut. Es wurde Schritt für Schritt eine an die andere gesetzt. Unter den Initialen der herrschenden Person sieht man wann jeder Abschnitt erbaut wurde. Je nach Stabilität gibt es ein, zwei oder drei Etagen. Im Alten Zeughaus gibt es noch eine vorhandene Güllerinne, dies weist auf Tierhaltung hin. Ein weiterer Abschnitt war eine Bäckereikasematte, unmittelbar in der Nähe des Offizierskasino. Bis 1945 wurde dort noch Brot gebacken.

 

Kaserne B

 

Ein typischer Militärbau aus dem 19. Jahrhundert, fertig gestellt 1897 diente sie zur Unterbringung verheirateter Offiziere und Unteroffiziere. Es waren 15 abgeschlossene Wohnungen mit Vorraum, Wohnstube, Schlafstube und Küche. Am Ende des Militärs durch den Versailler Friedensvertrag 1919 wurde es eine Einrichtung als Reichswehrkulturanstalt. 1921 wurden Kurpatienten untergebracht, im 2. Weltkrieg wohnten dort französische Kriegsgefangene.

 

Kommandantenhaus

 

Im südwestlichen Flügel des Torhauses war die Wohnung des Kommandanten. Von außen ein schlichter Renaissancebau mit steinerne Fenstergewände und dem Wendelstein mit Rustikaportal. Durch die Kreuzgratgewölbe wirken die Räume fast herrschaftlich. Der Kommandant wohnte mit seiner Familie im Erdgeschoss, zwei Zimmer dort wurden mit Hilfe historischer Fotos aus der Zeit um 1900 nachempfunden. Das wohn- und Arbeitszimmer zeigt Möbel die schon industriemäßig gefertigt wurden, aber dem Stil der Renaissance ähneln. Es wirkt dunkel und ziemlich vollgestellt mit dekorativen und persönlichen Gegenständen, die üppigen Fenstervorhänge lassen nur wenig Licht hinein. Fotos von der Küche gibt es nicht, aber restauratorische Befunde. Ein Backofen aus dem 17. Jahrhundert blieb erhalten, den alten gemauerten Herd hatte um 1900 eine Kochmaschine abgelöst. Ab 1871 verfügte die Küche über eine Wasserleitung vom Brunnenhaus.

 

Kriegskasernen

 

Im Kriegsfall konnten die alten Gebäude keinen Schutz mehr bieten, durch die sprunghafte Entwicklung der Artillerie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Insbesondere galt dies für die Kasernenaus dem 18. Jahrhundert. Deshalb wurden 1880 drei neue unterirdische Kriegskasernen gebaut. Die Kriegskaserne II entstand zuerst gegenüber der Bäckereikasematte. Zwei Jahre später wurde ein Teil der Kasematten, an der Südwestfront, aus dem 18. Jahrhundert abgerissen. 1884 / 85 entstand dort die Kriegskaserne III, heute ist es das Kasemattenrestaurant. Für die Artilleriemannschaft entstand hinter der Kirche 1888 / 89 die Kriegskaserne I. Die drei Kasernen ähneln sich in ihrer Bauweise, die gewölbten Räume sind aneinander gereiht und durch einen rückwärtigen Kommunikationsgang verbunden oder durchgängig begehbar. Sie waren mit Trockentoiletten ausgestattet und eine beschussfeste Deckung. Die Kriegskasernen I und II haben noch eine Erddeckung mit Grasnarbe.

 

Niedere äußere Werke

 

Die Hauptangriffsseite des Königsteins war die Westseite. Im Norden ist die Elbe, im Süden und Osten steil abfallende Hänge, im Westen geht es sanft bergab. 1755 wurde außerhalb der Festungsmauern mit erbauen von Erdwerken begonnen. Somit wurde der Beschuss im Westen weiträumig flach. Als erstes entstand die Pfeilschanze, noch nicht ganz hergestellt, kam der siebenjährige Krieg (1756 – 63) dazwischen. Die Arbeiten wurden 1790 wieder aufgenommen. Bis 1802 kamen noch Erdwerke hinzu und die Rote Brücke. Sie sicherte den Zugang zu den niederen Werken, den Weg zum Haupttor und erhielt ihren Namen durch die roten Ziegel. Die Pfeilschanze liegt am tiefsten, den Höhenunterschied überwand man mit einer Paterne (beschussfeste überwölbte Treppe). 1816 kam noch ein Verbrauchspulvermagazin hinzu.

 

Magdalenenburg

 

1621 / 22 als Renaissanceschlösschen erbaut, dient es als Provianthaus, über den Kellern des mittelalterlichen Brauhaus. Es hatte zwei Funktionen zu erfüllen: Im Keller die Lagerung von Bier, Wein, Branntwein und Essig. Unter dem Dach die Lagerung von Getreide, Hülsenfrüchte und salz. In den geschossen dazwischen wohnte der sächsische Hof, wenn er auf der Festung war. An diese Zeit erinnert nur noch der Wendelstein mit seinen steigenden Fenstern. Nacheinander gab es drei große Weinfässer, eins größer als das andere. Das größte Fass aus 1725 ließ August der Starke errichten, in diesem gingen 238 000 Liter Wein, aus Eichenholz, mit Schnitzereien und Glaspokalen verziert. Es maß mehr als 10 m vom Fußboden bis zur Kronenspitze und wurde 30 eisernen Reifen zusammengehalten. Es wurde nur zwei Mal mit Wein gefüllt, verfiel bald und musste 1818 / 19 abgebrochen werden. Das Gebäude wurde danach „bombenfest“ umgebaut und wurde nur zur Lagerung von Lebensmitteln genutzt.

 

Mannschaftsbaracke

 

Sie wurde 1899 als letztes Gebäude errichtet, welches für militärische Zwecke genutzt wurde. Es waren 67 Soldaten untergebracht in sechs Mannschaftsräumen und einer Unteroffiziersstube mit Putzraum, Waschraum und Toilette.

 

Neues Zeughaus

 

Mit seiner Längsachse steht es direkt über dem Aufgang des mittleren Teil vom Torhaus und wurde 1631 als „Johannissaal“ erbaut. Er wurde für höfische Festlichkeiten wie Bankette und Tanzfestivitäten genutzt. Ende des 17. Jahrhunderts wurde er mit 112 Gemälden geschmückt. Die Ahnen der Wettiner und des sächsischen Militärs werden gezeigt, seitdem wird der Raum auch „Heldensaal“ genannt. Das Gebäude hatte auch eine Verteidigungsfunktion, bis 1790 bestand der Fußboden aus Holz mit Falltüren, von dort aus wurde der dunkle Aufgang verteidigt. Die Gefahr lag darin, dass bei Beschuss oder Brand die Trümmer des leichten Fußbodens den einzigen Ein- und Ausgang blockieren könnten. Deswegen wurde der Holzfußboden 1790 durch ein massives Gewölbe ersetzt, seitlich darunter existiert der Caponnierengang, eine weitere Verteidigungsstelle. Er ist gleichzeitig das Kellergeschoss, von dem aus Feinde mit Gewehren abgewehrt werden konnten. Ein Dachstuhlbrand 1806 zerstörte ein Teil des Saals, zehn Jahre später wurde er wieder aufgebaut und der Eingangsbereich umgestaltet. Es gab ein großes Tor und eine Freitreppe. Die Nutzung änderte sich zum Neuen Zeughaus um Geschütze auzunehmen.

 

Pferdestall

 

Er wurde 1828 erbaut für die Unterbringung für die Reitpferde des Festungskommandanten. Auch die Zugpferde der Artillerie wurden dort zeitweise eingestellt. Die Wohnung des Schirrmeisters war dort auch, sowie die Futter und Geschirrkammer. Der Kuh- und Schweinestall befand sich mit im Gebäude. 1874 wurde eine Stube für den Stallburschen eingerichtet.

 

Schatzhaus

 

Seit dem Dreißigjährigen Krieg wurden die Dresdner Kunstschätze, wertvolle Dokumente und der Staatsschatz auf die Festung ausgelagert. 1855 entstand das Schatzhaus zur Unterbringung des Staatsschatzes. Das Gebäude hat ein bombenfestes bis zu 1,20 m starkes Gewölbe und bis zu 1,80 m dicke Mauern. Zum Schutz vor Brand oder Funkenflug ist sie mit verwinkelten Belüftungskanälen versehen. Die Fenster an den Giebeln sind mit Eisen vergittert, der Eingang wurde mit drei Eisentüren und mehreren Schlössern gesichert. Im Erdgeschoss gibt es vier Falltüren, mit Zugang zum Keller, wo gemünzte und ungemünzte Edelmetalle gelagert wurden. Diese wurden mit einer Schienenanlage mit Loren transportiert.

 

Torhaus

 

Der Zugang wird ermöglicht über eine hölzerne Rampe, unmittelbar vor dem Tor gab es früher eine Zugbrücke, später eine Wippbrücke. Das Tor ist aus dem 18. Jahrhundert, reich geschmückt mit der polnischen Königskrone, den Initialen Augusts des Starken und einem Relief. Deutliche Bearbeitungsspuren zeigt der Sandstein hinter dem Tor. Weitere Verteidigungsanlagen haben sich in der dunklen Appreille erhalten. Hinter dem Tor, im oberen Gewölbe, befindet sich die Steinschmeiße. Es folgt eine Pechnase, in den Felswänden seitlich darunter eine Falze zum Einklemmen von Balken, zur Errichtung von Barrieren. Dann folgt das eiserne Tor und die Fallpalisade, woran sich das Neue Zeughaus anschließt. Der Feind konnte zusätzlich vom Caponnierengang, unter dem Neuen Zeughaus, mit Gewehrfeuer attackiert werden. Eine Wagenwinde ist am Ende der dunklen Appareille.

 

Geschichte

 

Burg und Kloster

 

1233 wird in einer Urkunde von König Wenzels I., von Böhmen, erstmals schriftlich erwähnt, ein Burggraf Gebhard von Stein. Die vollständige Bezeichnung Königstein findet man erstmals in der Oberlausitzer Grenzurkunde (7. Mai 1241) besiegelt. Damals gehörte die Sächsische Schweiz zu Böhmen, mit einer böhmischen Burg auf dem Königstein. Die Anlage bestand im 14. Jahrhundert aus drei festen Gebäuden: die Kaiserburg, dem Berghaus, bewohnt von dem Burggraf (er verwaltet den Burgbezirk für den König) und die Burgkapelle. Die Dohnaische Fehde war ein wichtiges Ereignis, während dieser Fehde Anfang des 15. Jahrhunderts belagerten Truppen Wilhelm I., Markgraf von Meißen, den Königstein. Nach vier Jahren wurde er eingenommen. Ab 1408 war die Burg im Besitz Adeliger Sachsen. Der Grundstein für ein Kloster wurde 1516 von Herzog Georg dem Bärtigen gelegt. Noch im selben Jahr zogen 12 Cölestinermönche und ein Prior ein. Bekannt war der Orden für seine Gelehrsamkeit und Humanität. Das Kloster bestand nur kurze Zeit, die Reformation breitete sich aus und die Mönche gingen. Das Kloster wurde 1526 aufgelöst und ein Forstbeamter bekam die Aufsicht vom Königstein.

 

Der Festungsbau

 

Die Festung, das Schloss und die Kanzlei gingen in die Funktionen der Burg, im 15. / 16. Jahrhundert, über als befestigter Wohnsitz und Verwaltungszentrum. Königstein wurde zur Festung ausgebaut, während andere Burgen und Schlösser zusehends verfielen oder umfunktioniert wurden. Kurfürst August (1563 – 1569) ließ dafür den Brunnen abteufen und das Felsplateau untersuchen, ob es zur Festung taugt. Sein Sohn Christian I. ließ 1588 Pläne zur Befestigung ausarbeiten. Am 10. Mai 1589 ging das Bauen los, bei der Grundsteinlegung von der Christiansburg war der Kurfüst und dessen Kanzler anwesend. Gleichzeitig wurde der Aufgang an der Westseite und die alte Kaserne erbaut. Im Sommer 1589 waren mehr als 500 Arbeitskräfte tätig. Im Wesentlichen wurde die Festung um 1600 fertig gestellt, als das Alte Zeughaus (1594), zwei Pulvertürme und die Brustwehr (mit Schießscharten und Wachtürmen) standen. Die Besatzung bestand aus einem Hauptmann, einem Wachtmeister, 25 Knechte mit 24 Frauen und 23 Kinder.

 

August der Starke und der Königstein

 

August der Starke sah die Notwendigkeit der Verstärkung der Anlage aber liebte auch dort die höfischen Feste. Da für beides kein Geld vorhanden war, begannen die nächsten Baumaßnahmen 1715 / 16 mit der Aufstockung der Alten Kaserne und dem Bau eines neuen Brunnenhaus. Zu der Zeit dachte der Fürst und König auch en einem barocken Schloss auf dem Gelände. Es blieb beim Projekt, wirklich gebaut wurde 1723 im Keller der Magdalenenburg das riesige Weinfass. In seinen letzten Jahren war August oft auf  dem Königstein. Er empfing dort 1728 Friedrich Wilhelm I. von Preußen. August traf zu dem Zeitpunkt wichtige Entscheidungen zur Festung, während sein Gefolge Feste feierte. 1729 wurde daraufhin der Eingangsbereich umgestaltet. Die Appareille wurde tiefer gestaltet und vor dem Tor kamen zwei neue Außenwerke. Zwei Jahre vor Augusts Tod (1731) ließ er die Friedrichsburg zum barocken Pavillon umbauen und die Maschinentafel einbauen.

 

Das Staatsgefängnis

 

Die Festung galt als uneinnehmbar und somit dachte man auch, es kann niemand von dort fliehen. Somit wurde sie als Gefängnis verschiedener Art genutzt. Der sächsische Kanzler Krell, ehemals legte er mit Christian I. den Grundstein für die Festung, musste ab 1591 zehn Jahre dort einsitzen, bis er in Dresden enthauptet wurde. Beginn des 18. Jahrhunderts war Wolf Dietrich von Bachlingen der Mitinhaftierte von Johann Friedrich Böttger. Beide waren in Schutzhaft. Es folgte Friedrich Wilhelm Menzel welcher vor dem Siebenjährigen Krieg Staatsgeheimnisse ausgeplaudert hat. Revolutionäre Demokraten wurden dort in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts inhaftiert, darunter auch Teilnehmer des Dresdner Maiaufstandes von 1849. August Bebel verbüßte 1874 einen Teil seiner Strafe dort und wegen Majestätsbeleidigung 1899 Thomas Theodor Heine und Frank Wedekind.

 

Rheinbundfestung

 

Seit 1806 war Sachsen Rheinbundstaat und Königreich von Napoleons Gnaden laut dem Vertrag von Posen. Die Elblinie wurde von Napoleon im Sommer 1813 als militärische Operationsbasis ausgebaut. Am 20. Juni war er auf der Festung und entschloss sich den Lilienstein als befestigtes Heerlager zu nutzen. Dadurch wurde der Elbübergang für französische Truppen gesichert. Es entstanden Baracken, Lager mit Schanzen, Feldbäckereien und eine Schlachterei, sowie die „Kaiserstraße“ nach Stolpen. Zwei Schiffbrücken wurden gebaut zur Überquerung des Flusses. 22 Kanonen und Mörser wurden von der Festung zum Lilienstein gebracht. Am 21. August 1813 wurde die Besatzung des Königsteins mit 485 französischen Soldaten verstärkt. Napoleon eilte am 26. August mit einem Teil seiner Truppen von der Lausitz nach Dresden. Dort stellte er sich der Artillerie. Am gleichen Tag überquerte General Vandamme die Elbe bei Königstein mit 40000 Franzosen. Sie sollten den Gegner in die Flanke fallen, wurden bei einem Gefecht in Krietzschwitz aufgehalten. Die Dresdner Alliierten wurden besiegt, konnten sich aber zurückziehen und neu sammeln. Bei Kulm gab es am 30. August eine Schlacht in der Vandammes Truppen geschlagen wurden. Am 7. Oktober verließen die Franzosen den Königstein, dieser wurde bis zur Ankunft des sächsischen Königs (1815) für neutral erklärt.

 

Sperrfort des Deutschen Reiches 

 

Der Königstein wurde nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 als einzige Festung in die Systeme integriert und weitermodernisiert. 1851 wurde die Eisenbahn im Elbtal fertig gestellt und der Königstein hatte im Kriegsfall die Funktion einer Bahnsperre. Unterhalb der Festung lag eine strategisch wichtige Brücke, diese und die darauf liegenden Gleise waren leicht zu demontieren. Der Wiederaufbau durch den Feind konnte verhindert werden. Die Modernisierungen wurden nötig auf Grund der Weiterentwicklung der Angriffswaffen. 1883 gab es dann die Schießwollgranate, welche auch die alten Kasemattengewölbe zerschlagen konnten. 1870 wurden die Batteriegewölbe errichtet und zwei Pulvermagazine ummantelt. Bis 1899 wurde die Umgestaltung zu einem Sperrfort vollzogen.

 

Das 20. / 21. Jahrhundert

 

Ende des 19. Jahrhunderts galten die Bauten schon wieder als veraltet. Andere Bauten werden mit 2,5 Meter starken Baudecken ausgestattet, nur für Königstein befand man es nicht für nötig. Die Geschichte der Festung endete praktisch 1913, als die Kommandantenstelle gestrichen wurde. Diese Stelle übernahm ein Stabsoffizier. Im 1. Weltkrieg wurde der Königstein das erste Mal nicht in Verteidigungszustand versetzt. Einige Festungsgebäude wurden anders genutzt, zum Beispiel als Erholungsheim für Mitglieder des königlich sächsischen Militärvereinsbundes. 1914 wurde die Festung wieder zum Kriegsgefangenenlager. Ihre gesamte Artillerie musste 1920 im Sommer aufgelöst werden und verlor seinen endgültigen militärischen Sinn. Es wurde eine Reichswehrkuranstalt eingerichtet, die Torwachen wurden zivilisiert und die leerstehenden Räume wurden ab 1927 als Urlauberheime für Offiziere genutzt. Daneben wurde die Festung teilweise zur Besichtigung freigegeben. Unterbrochen wurde alles vom 2. Weltkrieg. 1939 bis 1945 war der Königstein wieder ein Gefangenenlager und beherbergte polnische Offiziere und Soldaten. Auch ein Teil der Dresdner Kunstschätze waren auf der Festung untergebracht. Kampflos wurde die Festung am 9. Mai 1945 der Roten Armee übergeben. Sie wurde vorübergehend als Lazarett genutzt. Ab 1949 wurde sie als Jugendwerkhof genutzt. Seit dem 29. Mai 1955 ist die Festung ein Freilichtmuseum. Zwischen 1991 und 2010 wurde alles saniert und ausgebaut.