Reichsburg Cochem

Egal aus welcher Richtung man nach Cochem fährt, die auf einem steilen Bergkegel stehende Reichsburg beherrscht das Stadtbild. Man kann zu Fuß zur Burg hochkommen vom Martinstor aus oder mit dem Pendelbus. Abfahrt am Busbahnhof neben der Touristeninformation. Die Gründung der Burg liegt im Dunkeln, 1180 wird eine Burg in der „Vita Annonis minor“ in Cochem erwähnt, als „castium … cochomo“. Dort wird vom Pfalzgraf Heinrich I. berichtet. Im Krieg gegen Anno II. geriet er in der Defensive und zog sich auf seine Burg Cochem zurück um seine Truppen zu verstärken. Das Jahr 1060 wird angegeben im „Antquitatum et Annalium Trevirensium“ von C. Browero. Im Bereich der Wahrscheinlichkeit liegt die Gründung der Burg um 1020. Dies ergibt sich dadurch, dass die Burg seit 1060 schon eine unbekannte Zeit bewohnt war und die Bauzeit hinzu gezählt wird. Belehnt wurde die Burg, welche wie die Stadt Cochem Reichsbesitz war, von dem Geschlecht der Etzonen bis 1085 mit Hermann II. diese Ära zu Ende ging. Weitere Besitzer der Burg waren 1085 – 1088 Hermann von Salm, bis 1095 Heinrich von Laach und 1099 bis 1113 Sigfrit von Ballenstädt. Der kinderlose Pfalzgraf Wilhelm stattete die klöster der Umgebung aus, erließ 1130 dem Kloster St. Matthias bei Trier und 1136 der Abtei Springiersbach den Schiffszoll bei Cochem. Nach dem Tod Wilhelms 1140 wurde die Burg von König Konrad III. als beendigtes Reichslehen eingezogen. Hermann von Stahleck hatte 1149 im Kampf auf der Schönburg bei Oberwesel seinen Widersacher Otto von Rheineck umbringen lassen. 1150 eroberte Hermann von Stahleck Cochem, dem Stauferkönig König Konrad III. ging dies zu weit, 1151 zog er nach Cochem und besetzte die Burg mit seinen Mannen und beschlagnahmte auch das umliegende Reichsgut. Zu dem Zeitpunkt wurde die Burg zur Reichsburg, es wurden Reichsministeriale (Burggraf) eingesetzt, für die Verwaltung von Burg und Reichsbesitz. 1282 beendete König Rudolf I. von Habsburg das Raubrittertum. Der Kölner Erzbischof Siegfried wurde vertrieben, dieser hatte sich der Burg bemächtigt. 1291 wurde Adolf von Nassau, nach dem Tod Rudolf I., zum König gewählt, er hatte eine schwache Position im Reich. Um die Krönung bezahlen zu können, verpfändete er 1294 die Reichsburg, Cochem und fast 50 Orte in der Umgebung an den Erzbischof Boemund I. von Trier. In der Schlacht bei Göllheim 1298,wurde Adolf abgesetzt und getötet. Der Sohn von Rudolf I., Albrecht wurde zum König von Österreich gewählt. Er sah keine Möglichkeit die Pfandsumme zu zahlen. Albrecht I. ernannte 1298 die Trierer Erzbischöfe zu erblichen Burggrafen des Reiches zu Cochem. Eingeschlossen waren die Verwaltung von Zoll und Gerichtsbarkeit. 1309 und 1310 bestätigte König Heinrich III. diesen Akt, auch König Ludwig 1314. Erzbischof und Kurfürst Balduin von Trier unterstützte die Wahl der Könige. Balduin befürwortete die Wahl Kaiser Karl IV., damals wurde die Burg Eigentum Kurtriers. Seit 1332 hatte Cochem Stadtrechte. Unter Balduin wurde die Stadt mit Mauer und Tore befestigt, die Burg verstärkt. Den Rang der Burggrafen nahmen Amtmänner 1419 ein. Burg und Stadt Cochem nahmen keine großen Schäden im Dreißigjährigen Krieg. Das verwüstete Heilige Römische Reich geriet nach dem Westfälischen Frieden unter verstärkten französischen Einfluss. Ludwig XIV. versuchte seine Gebietsansprüche von 1648 durch Reunionskriege gegen das Reich und die spanischen Niederlande zu erweitern. Der pfälzische Kurfürst Karl starb 1685 kinderlos. Ludwig erhob für dessen Schwester Herzogin Elisabeth Charlotte von Orleans Erbansprüche, kam es zum pfälzischen Erbfolgekrieg. Die Burg wurde 1673 von de la Trousse beschossen. Am 8. November 1688 ließ er die ganze Stadt von französischen Truppen besetzen. Die Burg wurde am 19. Mai 1689 von französischen Mineuren in Brand gesetzt und gesprengt. Dies war das Ende der stolzen Burganlage. 1697 gab Ludwig XIV. alle rechtsrheinischen Gebiete, Lothringen und die Pfalz zurück. Die Stadt Cochem erholte sich langsam. Auch nachdem am 24. September 1794 Cochem von französischen Revolutionsgruppen eingenommen wurde, blieb die Burg eine Ruine. Die Stadt war gleichzeitig Sitz der Kantonverwaltung. 1816 wurde Cochem zur preußischen Kreisstadt, die Burg Staatsbesitz. Jakob Louis Ravens kaufte 1868 für 300 Goldmark die Ruine. Nach Pläne eines Berliner Architekten wurde die Burg 1868 – 1877 wieder aufgebaut. 1943 erwarb das Deutsche Reich die Burg als Eigentum, seit 1978 ist sie im Besitz der Stadt Cochem. Ursprünglich wurde die Burg romanisch gebaut, unter Balduin spätgotisch ausgebaut. Die Reste blieben fester Bestandteil des neugotisch wiedeerstellten Bauwerks 1877. An der Nordseite bildet sich eine Toranlage mit dem ehemaligen Außentor, einem mächtigen Torbau, einer Brücke und als Burgeingang ein drittes Tor. Der äußere Bering mit Zinnen bewehrter Bergmauer und angrenzenden Gebäuden bestehen zum Teil aus Ruinenrückstände. Zu den Gebäuden gehören das verwaltungshaus mit Burgschänke, das südöstliche ehemalige Burgmannshaus (es steht über einem 7 x 14 m großen Gewölbekeller, heute ist es ein Rittersaal), die Kapelle, das ehemalige Burgmannshaus, ein Mauerturm mit Wendeltreppe und das Spielhaus. Ein Brunnen von 1,75 Meter Durchmesser und 50 Meter tief steht im Burginnern, eine Plattform ist angebaut zur Verankerung des Zugseils der ehemaligen Sperrkette. Der innere Bering war eine fast runde Ringmauer. Sie umschloss die Bauteile der romanischen Kernburg. Unter anderem der Bergfried (möglicherweise unter Balduin achteckig ummantelt), der Palas (er wurde durch einen Neubau Ravenes ersetzt, heute ist dort der Speisesaal), eine Außentreppe zum Eingang und der dreigeschossige Hexenturm.