Schloss Westerwinkel

Es ist ein barockes Wasserschloss, die Existenz einer Burganlage wurde im Jahr 1225 urkundlich belegt. Zu einem früheren Zeitpunkt stand dort schon eine Wehranlage. Von der alten Burganlage ist keine Bausubstanz erhalten. Die herren von Ascheberg waren bis 1430 Inhaber der Burg, danach wurde Hermann von Merveldt mit der Burg belehnt. Zwischendurch ging die Burg wieder an die Familie von Ascheberg. Der Neffe von Hermann kaufte 1498 die Burg zurück. 1515 wurde sie an Raesfeld zu Ostendorf verkauft, ging dann an den Grafen von Limburg, 1523 an Diepenbrock zu Lake. 1555 ehelichte Dirk von Merveldt die Erbtochter der Familie von Diepenbrock, dadurch kamen die Merveldts 1567 wieder in Besitz von Westerwinkel bis heute. Die ursprüngliche Burganlage wurde zum großen Teil verändert zum Schloss. Die Vorburg wurde 1663 und 1668 errichtet. Bis 1667 war es noch ein Lehen, danach wurde es durch Zahlung einer großen Geldsumme ausgelöst. Seitdem ist es persönliches Eigentum der Familie Merveldt. Nach dem Theodor Hermann von Merveldt in den Reichsfreiherrenstand erhoben wurde, hat man die Schlossanlage zu Repräsentationszwecke großzügiger und weitläufiger angelegt. Es wurde eines der frühesten Barockschlösser Westfalens. Am Schloss wurden keine weiteren Änderungen vorgenommen. Einer der Gebäudeflügel viel einem Brand zum Opfer und verschwand. Das Schloss liegt 1 km westlich vor Herbern, in einem englischen Landschaftspark, welcher durch einen Golfplatz und zu wenig Pflege teilweise zerstört ist. Als Wasseranlage errichtet ist es von einem mehrfachen, rechteckigen Gräftensystem eingefasst. Die verschachtelte Zufahrt und die wehrhaften Anlagen erinnern an eine Verteidigungsanlage. Westlich ist eine Garteninsel, im Inneren eines Gemüsegartens ist ein Pavillon mit zwei Etagen dem Verfall preisgegeben. Inzwischen ist der Schlossgarten naturbelassen und gibt Tier- und Pflanzenarten eine Heimat, er hat einen seltenen Baumbestand. Eine zweite Brücke stört den Inselcharakter der Vorburg empfindlich. Das Schloss wurde auf zwei Inseln angelegt. Auf der einen Insel die Vorburg, auf der anderen die Hauptburg. Es wirkt, als wäre das Schloss aus einem Guss erbaut. Ursache ist eine kurze, ungestörte Bauphase. Es handelt sich um einen Kastelltyp der Renaissance, hier in einer späten Blüte. Alle Seiten sind gleich gestaltet. Im Obergeschoss und Erdgeschoss sind zwei Reihen gleichförmiger Steinkreuzfenster, weiter unten sind kleine Kellerluken. Auf den Eckpavillons wurde die Gestaltung der Fenster fortgesetzt. Der Sockel besteht aus Bruchstein, die mauern aus Ziegel, alles wurde verputzt. Die Eckquader sind aus sichtbarem Sandstein. Im Erdgeschoss sind die Repräsentationsräume und im Südflügel Quartiere für hochrangige Gäste. Im Obergeschoss im hofseitig umlaufenden Flur sind einzelne Zimmer und Appartements. Über eine einzige Brücke geht es zur Vorburg. Die Vorburg besteht aus mehreren unregelmäßig angelegten Gebäuden. Schaut man auf den Eingang zum Hauptschloss, nordseitig des Flügelbaus, sieht man das Brücke und Torweg aus der Mittelachse verschoben sind. In toskanischer Ordnung ist der Portalbrahmen und wird von einem Sprenggiebel gekrönt. Über eine doppelläufige Freitreppe am Westflügel befindet sich ein Torhaus mit Brücke. Reich gegliedert, auf der Mittelachse, befindet sich das barocke Innenhofportal, anno 1663. Das Portal ist aber erst 1680 – 1690 eingefügt worden. Gegenüber dem Tor zum Innenhof ist mittig ein Uhrturm. Vom Eingangstor kommt man in die Eingangshalle, mit einer holländischen astronomischen Uhr. Die Haupttreppe zum Obergeschoss ist aus Eichenholz. Das Verwalterhaus ist zwischen den Inseln, errichtet im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. Am Rand des Golfplatzes steht ein Gedenkstein, dem Heiligen Hubertus gewidmet. Hubertus steht am Waldrand, sein Pferd schaut nur mit dem Kopf raus, der Körper befindet sich noch im Wald. Der Kopf der Hubertusfigur fehlt inzwischen. Um das Schloss sind Wanderwege mit Tafeln, welche die einheimische Tier- und Pflanzenwelt erklären. Auf dem Schloss sind drei Portale zu finden. Sie werden durch zusammengeschobene Wappen derer von Merveldt bzw. Westerholt geziert. Eins befindet sich am Torhaus der Vorburg, das zweite über dem Eingang zur Vierflügelanlage und das dritte am repräsentativen Eingang im Westflügel des Haupthauses. Das Stammwappen von Merveldt zeigt ein goldenes Gitterwerk in Blau aus zwei sich überschneidenden Sparren und zwei Schrägstäben, einer schräg rechts, der andere schräg links gelegt. Das Wappen derer von Westerholt ist geviert. Feld 1 und 4 zeigen das Stammwappen der Familie, es ist von Schwarz und Silber gespalten und zweimal geteilt. Auf Feld 2 und 3 ist das Wappen von Lembeck zu sehen. Es handelt sich um drei deichselförmig gestellte, mit den Spitzen auf das Zentrum gerichtete silberne Nägel in Rot auf silbern gezacktem Feld. Über Feld 1 und 4 ist eine Helmzier, ein schwarz – silbern gewulsteter Helm, auf dem ein rotbewehrter silberner Schwan mit nach rechts geöffneten Flügeln sitzt. Der linke Flügel ist silbern mit schwarzen Balken, der rechte schwarz mit silbernem Balken. Oberhalb vom Feld 2 und 3 ist ein Flug zu sehen, rechts silber, links rot. Das Wappen der von Westerholt wurde mehrmals verändert. Das neue Wappen trägt ein geviertes Schild, mit einem von Westerholt und Lembeck gevierten Herzschild. Der Eckpavillon diente als Dienerwohnungen und Brauküche, sowie Speicher, erbaut 1663. Schaut man auf das Torhaus mit Zugbrücke und den Eckpavillon zur Linken erkennt man das Ehewappen über dem Portal mit Zugbrücke.