Völkerschlachtdenkmal

Idee

 

Am 19. Oktober 1814 wurde ein 30 Ellen hohes Kreuz, vor der Ruine der Dorfkirche Anger Probstheida, von den Bürgern als Denkmal für die Völkerschlacht aufgestellt. Die Schlacht fand vom 16. Oktober bis zum 19. Oktober 1813 statt. Napoleon stand einer Streitmacht von Russland, Preußen, Österreich und Schweden gegenüber. Er verlor die Schlacht und Fürst Schwarzenberg feierte seinen Sieg. Es starben rund 110 000 Menschen, danach starben noch zehntausende in Lazarette. 1814 regte der Dichter Ernst Moritz Arndt an, ein Denkmal zu erschaffen, welches man von weitem sehen kann, an der Stelle wo die Schlacht stattfand. Auf einem Berg, ein Gebäude, mit eisernem Kreuz oben auf. Das gab den Startschuss zu einer Fülle von Denkmalsentwürfen. Es konnte keins realisiert werden, da die Finanzen nicht da waren. Der Verein „Zur Feier des 19. Oktobers“, bewahrte die Erinnerung. Nachdem politisch immer geschwiegen wurde, kam es Mitte des 19. Jahrhunderts zu alljährlichen Gedächtnisfeiern, Überlieferungen von Augenzeugen wurden gesammelt und das Schlachtfeld durch Gedenksteine gekennzeichnet. Bis 1863 entstanden sieben Erinnerungsmerkmale, bis heute zeigen sie die wichtigsten Orte des Schlachtfelds. Vertreter von 210 deutschen Kommunen legten 1863, zum 50. Jahrestag der Leipziger Schlacht, den Grundstein für das repräsentative Monument. Turbulenzen der ausbrechenden deutschen Einigungskriege und der Gründung des Deutschen Reiches verhinderten das Denkmalsprojekt.

 

Denkmalsbau

 

1894 ergriff der Leipziger Architekt Clemens Thieme das Projekt Monumentalbau Völkerschlachtdenkmal wieder auf. Er gründete einen Verein, dieser wurde unterstützt von der Bevölkerung durch Sammlungen, Spenden und Lotterien. Dadurch kamen sechs Millionen Goldmark zusammen womit das Bauvorhaben umgesetzt werden sollte. Zwei Preisausschreiben 1895 und 1896 brachten viele Entwürfe und es wurden die Preise vergeben. Zufrieden war der Verein mit dem Ergebnis nicht. Die Nähe zu den entstandenen Kaiser – Wilhelm Monumenten war zu groß, die entworfenen Erinnerungszeichen waren nicht wirklich eigenständig und neuartig. Der vierte Preisträger, Architekt Bruno Schmitz, bekam den Auftrag zur Ausarbeitung eines neuen Entwurfs. 1898 lag der endgültige Plan vor, welcher umgesetzt werden sollte. 1895 bekam der Verein (Patriotenbund) schon ein Großes Gelände (42500 Quadratmeter) in der Nähe des Napoleonsteins zur Verfügung gestellt. Der erste Spatenstich erfolgte am 18. Oktober 1898. 82000 Kubikmeter Erdreich wurden 2 Jahre lang ausgehoben, bis man den geeigneten Bauuntergrund fand. Mitte September 1900 konnte endlich gebaut werden. Der Grundstein wurde am 18. Oktober 1900 gelegt. Somit wurde zum zweiten Mal ein Grundstein gelegt, diesmal ca. 1 Kilometer nördlich entfernt von der vorherigen Stelle. Es wurde eine 70 x 80 Meter große und 2 Meter mächtige Fundamentplatte aus Beton gefertigt. Darauf stehen 65 Haupt- und Nebenpfeiler aus dem gleichen Material. In Höhe von 26 Metern sind sie mit aufsteigenden Gurtböden verbunden. Das Bauwerk sieht aus, als ob es aus Naturstein gebaut wurde, aber es besteht zu 90% aus Beton. Damals war ein so großes Gebäude aus Beton noch nirgends ausgeführt worden. Es gab Gegner und Befürworter für den Bau. Eine Eisenkonstruktion wurde für vorteilhafter angesehen. Die niedrigen Kosten und die größeren Gestaltungsfreiheiten überzeugten für den neuen Werkstoff. Fünf Jahre dauerten die Arbeiten am Fundament. Nicht nur das Baumaterial war fortschrittlich, auch die eingesetzte Technik. Das Monument wurde als größter Denkmalsbau Europas am 18. Oktober 1913 eingeweiht.

 

Historische Einordnung

 

Das Wahrzeichen beinhaltet eine Fülle von Leitbildern, Symbolen und ikonographischen Bezügen. Es ähnelt altägyptischen Tempelanlagen, man kann darin auch ein Gegenstück zum Pariser Dome de Invalides ausmachen. Es wurde bewusst von der gängigen wilhelminischen Kunstauffassung abgewichen. Das Völkerschlachtdenkmal gilt in Teilen seiner Symbolik, durch die Einflussnahme des Patriotenbundes auf die äußere Gestalt, als spektakuläres Projekt mit freimaurerischem Gedankengut. Die unterschiedlichen Absichten und Ziele der Erbauer erkennt man an der Grundaussage der verschiedenen Hauptteile des Memorials. Es wurde eine Vielzahl an Symbole und Metaphern eingebaut welche noch heute eine eindeutige Charakterisierung erschweren. Im Süden Leipzigs war ein spannendes Monument entstanden.

 

Gebäudebeschreibung

 

Der Patriotenbund wollte keinerlei Parallelen zu anderen Bauweisen aus der Vergangenheit aufweisen. Es sollte wirken wie aus grauer Vorzeit, es sollte ein typisch deutscher Architektur- und Kunststil sein. Es wirkt wie eine Tempelanlage, in der Eingangszone befinden sich vier Torstützen aus Granit. Es gibt drei Grundgedanken die dem Gebäude zu Grunde liegen. Zwischen den seitlichen Stützmauern erhebt sich ein Relief aus einer Schlachtszene. Dargestellt ist St. Michael mit dem Flammenschwert. Er steht auf einem Streitwagen und rast über das Schlachtfeld. An seiner Seite tragen Furien die Brandfackel des Krieges. Zwei riesige Adler steigen in die Lüfte und verkünden die neu errungene Freiheit.  Zwei Barbarossaköpfe an den seitlichen Treppenaufgängen geben dem Volk Hoffnung auf bessere Zeiten, die nun angebrochen seien. 136 Stufen geht es hoch, dann ist man in der Krypta des Bauwerks, ein symbolisches Grabmal für die Gefallenen. Die Totenmasken versinnbildlichen das Sterben und die 16 Krieger davor halten die Köpfe in Trauer gesenkt, als Totenwache. Im mittleren Teil sind vier Riesenfiguren, welche die „Eigenschaften des Deutschen Volkes während der Befreiungskriege“ darstellen. Die Hauptpfeiler, im bleigefassten Fenster, sind verziert mit 96 Figuren, welche die trauernden Hinterbliebenen darstellen sollen. Die Kuppelhalle liegt 68 Meter über der Krypta und bildet den oberen Abschluss. Die heimkehrenden Sieger werden von 324 fast lebensgroße Reiterfiguren verkörpert. Die Denkmalskrone am Äußeren des Gebäudes soll eine Mahnung kommender Generationen sein. 12 Krieger, auf ihrem Schwert gestützt, symbolisieren die Bereitschaft, die gewonnene Freiheit zu verteidigen. In 91 Meter Höhe ist die Aussichtsplattform. Über die Krypta führen 364 Stufen (Wendeltreppe) nach oben. Man kann einen einzigartigen Rundblick über die Stadt genießen.

 

Politisches Symbol

 

Das Denkmalsprojekt wurde immer wieder von Nationen und Nationalstaat genutzt um aktuelle Tagespolitik historisch zu belegen. Der Ursprung war die Mahnung zur inneren Einheit im Kaiserreich von 1871. In der zeit der Weimarer Republik war es Symbol einer undemokratischen, nationalistisch orientierten Alternative. Zur zeit des Nationalsozialismus war das Denkmal Sinnbild einer entindividualisierten „Volksgemeinschaft“. Später wurde die Stätte zum Memorial der Befreiungskriege, vorgeblich seit 1813 bevorstehend deutsch – russischer Freundschaftsverhältnisse, dessen Kern dann als Waffenbrüderschaft beschrieben wurde.

 

Sanierung

 

Im Jahre 2003 hat man sich mehrheitlich für eine umfassende Sanierung entschlossen. Schon von weitem konnte man den Vorher – Nachher – Effekt sehen. Die schroffen Quaderformen des Gipfelsteins und die trutzigen Wächterfiguren leuchteten wieder. Details sind sichtbar geworden, die vorher nicht mehr erkennbar waren. Pünktlich zum 100 jährigen Jubiläum ist das Denkmal Schmutzfrei.  In der Tagespresse nannte man das Denkmal vorher „Schwarzer Koloss“, jetzt muss man sich was Neues einfallen lassen. Jetzt finden auch diejenigen es spannend, die vorher Angst vor ihm hatten.