Bodenwerder

Erfahrungsbericht

 

Ein Tag in Bodenwerder, den ich sehr genossen habe. Angefangen beim Geburtshaus von Baron Münchhausen ging es weiter in Richtung Brennereihaus. Von weitem konnte man die Münchhausen Grotte auf einem Berg sehen, auch bekannt als Jagdhaus des Barons. Vor den Gebäuden ist ein kleiner Park, in dem steht das vordere Teil des halben Pferdes mit dem Baron drauf. In Richtung Fußgängerzone kommt man an einer Dampfmaschine vorbei und am Münchhausen Museum. Auf dem Weg durch die Stadt sieht man die Kirche St. Nikolai. Dort landet man dann auf dem Marktplatz, wo der große Münchhausen Brunnen steht. Biegt man von dort rechts ab und läuft Richtung Weser kommt man an der anderen Hälfte vom Pferd Münchhausens aus. Von dort aus kann man auch im Sommer mit dem Schiff eine Fahrt über die Weser machen und das Gebiet vom Fluss aus betrachten. Zurück zur Fußgängerzone, läuft man diese weiter entlang und kommt dann am Torturm aus. Biegt man dann zwei Mal links ab und geht langsam Richtung Münchhausens Geburtshaus zurück, sieht man die Bastion und die Straße Im Hagen, mit alten Teilen der Stadtmauer.

Einige Fotos von meiner Reise nach Bodenwerder:

Geschichte

Eine Kleinstadt im niedersächsischen Holzminden, sie trägt den amtlichen Namenszusatz „Münchhausenstadt“ seit dem 25.10.2013. Es ist der Geburtsort des „Lügenbarons“ Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen. Seit 2011 ist die Stadt staatlich anerkannter Erholungsort, vorher Luftkurort. Außerdem ist sie der Sitz der Samtgemeinde Bodenwerder – Polle.

Nach 960 n. Chr. entstand auf einer Wesermündung gegenüber der Lennemündung, Nähe des Klosters Kemnade, die Marktsiedlung Insula. Ritter Heinrich II. von Homburg kaufte 1245 die Siedlung, seit dem 29.Januar 1287hat sie Stadtrechte. Erwähnt wurde sie erst in Form von „consules“ im Jahre 1284. Eine wichtige Brücke über der Weser gab es bereits 1289, diese Stellte die Verbindung zu den Hauptverkehrswegen dar. Ein Homburger Bodone erbaute 1340 eine planmäßige Anlage mit Mauern und Türmen, von daher leitet sich der Stadtname Bodenwerder ab. 1409 starben die Homburger aus, die Stadt ging über zum Herzogtum Braunschweig – Lüneburg, ab 1521 zum Fürstenturm Calenberg. Seit 1418 ist Bodenwerder im Besitz eines umfangreichen Forstbesitzes im Vogler. Als dreischiffige Hallenkirche entstand zwischen 1460 und 1470 die gotische Pfarrkirche St. Nikolai. Statius von Münchhausen (1555 – 1633) errichtete das Herrenhaus, bewohnte aber die Schlösser Bevern und Leitzkau und bewohnte diese. Einen ähnlichen Amtssitz wie in Bodenwerder erbaute er in Bolzum. Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen ist einer seiner Nachfahren und machte die Stadt über der ganzen Welt bekannt, in dem fremde Autoren, darunter Gottfried August Bürger, seine Geschichten zu Lügengeschichten umformten und veröffentlichten. Die Stadt gehörte von 1810 bis 1813 zum Distrikt Rinteln (Leine) zum Königreich Westphalen. Zu der Zeit gehörte Bodenwerder zum Kurfürstentum Hannover, 1866 kam sie auch zu Preußen. 1866 erbohrte man eine jodhaltige Quelle. 1935 erwarb die Stadt das Herrenhaus der Familie Münchhausen und nutzt es bis heute als Rathaus mit einem Erinnerungszimmer an die Familie. Während der Industrialisierung kamen immer mehr Binnenschiffswerften und die Baustoffindustrie in Bodenwerder zu tage.  

Sehenswürdigkeiten

Alte Apotheke

Ein kleines, traufenständiges Fachwerk Eckhaus aus dem Jahr 1625 war ursprünglich ein Querdielenhaus. Nachträglich wurde auf den Balkenköpfen ein vorragender Dreiecksgiebel aufgesetzt, vorher waren die Ständer durchgängig. Der Hauseingang war vorher ein hohes, korbbogiges Einfahrtstor, heute ein moderner Hauseingang. Am Tor ist links ein Mörser mit Keule und rechts eine Waage zu sehen. Verschiedene Inschriften, Wappen und Motive sind am Haus zu sehen. Das Gebäude wurde im 19. Jahrhundert, rechts um das dreifache erweitert.

 

Altes Fährhaus

Es steht gegenüber dem Zollhaus, bis 1883 wurde die Weser hier von Fähren, Schiffsbrücken und Brücken überquert. In dem Jahr wurde die erste Straßenbrücke erbaut. Seitdem ist das Fährhaus nur noch ein Wohngebäude. Entstanden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist es ein zweigeschossiger Bau auf einem rechteckigen, leicht abgeknickten Grundriss. Das Untergeschoss gehörte vermutlich noch zur Stadtbefestigung, ist aus Bruchsteinmauerwerk hergestellt und das Obergeschoss nachträglich aufgesetzt in Fachwerkbauweise. Die Brüstungszone wurde ausgefacht mit Holztafeln, diese sind verziert mit beschlagwerkähnlichen Ornamenten.

 

Brennereihaus

1720 erbaut durch Georg Otto von Münchhausen, als weitere Erinnerungsstätte an Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. Bei den Bodenwerdern heißt es immer noch „Brennove“. Aus massivem Bruchsteinwerk erstand das Erdgeschoss, die Westseite besteht aus einem Teil der Stadtmauer, heute mit der Fenster in den Sandsteinwänden. Das Satteldach wurde eingedeckt mit Wesersandsteinplatten. Über der Haupt Tür befindet sich eine Inschrift: Georg Otto von Münchhausen / Sibylle Wilhelmine von Reden / Anno 1720. In dem Gebäude befindet sich heute die Touristen Information.

 

Das älteste Wohnhaus

Im Jahre 1484 erbaut neben der Kirche in der Königsstraße. Das Durchgangsdielenhaus hat zweigeschossige Seitenschiffe mit durchgehenden Ständern. Über dem Türeingang ist ein seltener Spitzbogen, darüber steht in gotischen Buchstaben das Erbauungsjahr. Die Dachgeschosse sind auf dem vorragenden Stichgebälk.

 

Das ergänzende ½ Pferd

1997 von Bonifatius Stirnberg entworfen steht das ergänzende ½ Pferd am Dampferanleger. Im Rathauspark steht die vordere Hälfte des Pferdes. Die Geschichte zu den Pferdehälften gibt es im Münchhausen Museum.

 

Das zweitälteste Bürgerhaus

1550 erbaut befindet es sich in der Homburgerstraße Nr. 50. Ein Fachwerkhaus, klein und mit drei Etagen, die ersten beiden sind mit durchgehenden Ständern versehen. Die dritte Etage mit dem Dachgeschoss wurde auf einem Balken gesetzt, welcher etwas vorsteht. Die Fassade beinhaltet eine Inschrift, und ursprünglich gab es einen Rundbogen über dem Hauseingang. Ein schmaler Anbau verlängert das Haus seit dem 18. Jahrhundert. 

 

Der große Münchhausen – Brunnen

Der Brunnen steht in der Fußgängerzone, gefertigt 1994 vom Bildhauer Bonifatius Stirnberg gefertigt. Die Figuren sind beweglich und können jederzeit vom Betrachter verändert werden. Drei der bekanntesten Münchhausengeschichten werden dort gezeigt. Das Pferd am Kirchturm, der Entenflug und der Ritt auf der Kanonenkugel.

 

Der Torturm

Seit dem 13. Jahrhundert sicherte der Festungsturm am Mühlentor eine Brücke am Weserarm, welcher 1948 zugeschüttet wurde. Er ist leicht rechteckig gebaut, im Erdgeschoss sind die Mauern ca. 155 cm dick. Das Erdgeschoss entspricht der ehemaligen Torhöhe, quer zur Straße liegt ein Tonnengewölbe. Auf der Westseite liegt ein querrechteckiges Fenster. Insgesamt gibt es drei Obergeschosse, im ersten ist der ehemalige Wehrgang, erreichbar durch Türen auf der Südseite. >Die Obergeschosse haben Balkendecken, das Gebäude hat ein Satteldach mit Senkrechtverschalung, dieses ist möglicherweise nicht mehr das Original. Das Tonnengewölbe war früher nur durch eine quadratische Öffnung im Obergeschoss zugänglich.

 

Die Bastion

Eine halbrunde Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert, mit drei weiteren Festungstürmen und der Stadtmauer, bot sie Schutz vor Angreifern auf der Westseite. Die ehemalige Stadtmauer hatte in diesem Bereich einen vorspringenden Versatz, der Eckpunkt wird gebildet durch die Bastion. Mit ihrem rechteckigen Grundriss und halbkreisförmigen Westabschluss, stieß sie in den ursprünglich vorbeifließenden Weserarm.

 

Ehemalige Bremer Lagerhäuser

In der Weserstraße befinden sich zwei dieser Lagerhäuser aus den Jahren 1604 und 1624, beide entstanden mit mächtigen Eichenbalken, welche mit bunten Rosetten geschmückt sind. Das rechte Haus, erbaut von Jürgen Kremer und seiner Schwester Maria Silpes, hat auf den Torständern die jeweiligen Initialen. Ornamente und Inschriften verzieren die Fassade. Das andere Gebäude ist eventuell das ehemalige Kramergildehaus. Lateinische Buchstaben sind in der Setzschwelle des Dachgeschoss. Die Fassade wird durch Ornamente geschmückt, auf den Balkenköpfen des Dachgeschosses sollen bärtige Männerköpfe zu sehen sein.

 

Festungsturm im Hagen

Es ist ein runder Turm aus dem 13. Jahrhundert, ein Überbleibsel der damaligen Stadtmauer, ursprünglich am Weserarm gelegen. Betreten konnte man ihn durch einen Wehrgang, welcher stadtauswärts Richtung Osten lag. Heute kann man vom Hagen aus eine Treppe hinauf gehen, durch eine original rechteckige Türgewandung in Quadereinfassung.  Im unteren Raum sind ein Kuppelgewölbe und eine Mittelöffnung. Durch diese Öffnung kommt man in die oberen Geschosse. Stadtauswärts befinden sich drei schmale Schlitzfenster, oben auf ist ein Kegeldach mit Solingplattendeckung.

 

Kapelle St. Gertrudis

Im Jahre 1407 ging der Frenkesche Lehnshof von seinem Besitzer an den Homburger Edelherrn. Dieser gab ihn der Kirche, zur Errichtung einer Kapelle und eines Friedhofes. Die Kapelle wurde 1410 geweiht. Zu der Zeit gab es in Bodenwerder keine Pfarrkirche, die Kapelle erfüllte somit verschiedene Funktionen. Sie entstand nicht al Gotteshaus für die Stadt, sondern für das Heilig – Geist – Hospital. Die nördliche Giebelseite enthielt einen Teil der Stadtmauer. Seit 1543 war sie eine Lateinschule, ab 1786 ein Gefängnis, heute ist das Gebäude eine Galerie.

 

Münchhausen Brunnen mit dem ½ Pferd

Der Brunnen entstand 1962/1963 im Park des Gutshofes. Anlässlich der 675 – Jahrfeier, wurde die Brunnenanlage, gefertigt von Bruno Schmitz aus Wesersandstein. Das Pferd und sein Reiter sind aus Bronze, dargestellt wird eine Anekdote aus dem Türkenkrieg, eine Geschichte von Münchhausen, als er aus diesem zurückkam. Es ist das vordere Teil des Pferdes.

 

Münchhausen Geburtshaus

In dem Haus befindet sich das heutige Rathaus. Erbaut wurde es 1603 – 1609. Hier wurde am 11. Mai 1720 Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen geboren, er verstarb dort am 22. Februar 1797. Es ist ein dreigeschossiges Gebäude, über der Tür sieht man, in Sandstein eingelassen, das Familienwappen, die eigenen Initialen und die seiner Frau, sowie den Wahlspruch „Mine Borg ist God“. Dies hat Georg Otto von Münchhausen einmeißeln lassen. Seit 1936 ist das Gebäude Eigentum der Stadt Bodenwerder.

 

Münchhausen Grotte

Die Grotte wurde 1763 am Hopfenberg erbaut vom Freiherrn von Münchhausen. Das zweistöckige Gebäude, ist am Hang angelehnt, zwischen den Weidenflächen, heute sieht es aus als ob es zum Hopfenwald dazu gehört. Bestechend ist die Schlichtheit, eine steinerne Inschriftenplatte mit Verzierungen oder zwei Figuren, am Eingang zu sehen. Links steht Herkules und rechts die Venus. In dem Gebäude belustigte Münchhausen seine Jagdgesellschaften mit seinen Geschichten.

 

Pigge Haus

1654 als Pastorenhaus erbaut ist es ein dreigeschossiges Fachwerkhaus. Auf dem vorragenden Stichgebälk wurden die dritte Etage sowie zwei Dachgeschosse erbaut. Die unteren Geschosse wurden auf durchgehende Ständer aufgesetzt. Ein großes Eingangstor mit schwerem Torsturz war in der rechten Haushälfte. 1790 wurde das Haus umgebaut zur Buchdruckerei und das Tor wurde zur Ladenfront. Im Erdgeschoss war damals eine Buchhandlung. Die Fassade hat in den Balken lateinische Sprüche mit alten Weisheiten. Heute ist das Gebäude ein Geschäftshaus.

 

St. Dionysius

Zu sehen ist die ehrmalige Marktkirche nur noch auf einem Merianstich von Bodenwerder und Kemnade. Eine schlichte in Wesersandstein errichtete Saalkirche, 1652 erstmalig urkundlich erwähnt. Sie diente als Kirche für die Dorfbevölkerung, dies änderte sich 1579, nach der Reformation. Da verlor di Marktkirche an Bedeutung, sie zerfiel zusehends. Das Kirchenschiff gibt es nicht mehr, der Altarraum wurde 1665 wieder aufgebaut, um als Begräbnisstätte und Friedhofskapelle zu nutzen. 1742 wurde der Turm erneuert, dabei aber sein Aussehen verändert. 1836 wurde der Altarraum entweiht und sollte abgerissen werden, wegen fehlender Geldmittelfand es nicht statt. Die Glocken im Kirchturm siedelten 1899 um in die Klosterkirche Kemnade. Im Turm und Altarraum sind heute der Leichenwagen und die Feuerspritze untergebracht.